Demonstranten mit Kerzen gedenken am 15.07.2017 auf einer Hauptstraße in Hongkong dem chinesischen Regimekritiker und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo. © picture alliance / AP / dpa Foto: Vincent Yu

Gottesdienst erinnert an chinesischen Dissidenten

Stand: 09.07.2021 17:30 Uhr

Liu Xiaobo setzte sich für Freiheit und Menschenrechte ein. Dafür wurde er verhaftet und verurteilt. Vor vier Jahren starb er in einem chinesischen Gefängnis. Mit einem Gottesdienst wird jetzt an ihn erinnert.

von Julia Heyde de López

In seinen Büchern und Texten kann man ihn noch kennenlernen: den Schriftsteller Liu Xiaobo aus China. Er hat sich Zeit seines Lebens für Freiheit und Menschenrechte in seinem Land eingesetzt und dafür einen hohen Preis gezahlt, erklärt Roland Kühne: "Liu Xiaobo ist 2008 verhaftet worden, weil er Mitverfasser war der "Charta 08". Da haben Intellektuelle, Arbeiter, Studenten einen Text formuliert, um China den Weg, so würde ich sagen, zur Demokratie und zu den Menschenrechten zu öffnen. Und in dem Zusammenhang ist er verhaftet worden und ein Jahr später zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden."

So blieb sein Stuhl leer, als er 2010 den Friedensnobelpreis bekam. Später erkrankte Liu Xiaobo, und er starb - immer noch in Haft - 2017. Seitdem veranstaltet Roland Kühne jedes Jahr einen Gedenkgottesdienst für ihn. Der Pfarrer aus Kempen sieht den chinesischen Schriftsteller in einer Reihe mit Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King und Mahatma Gandhi. "Und das Vermächtnis dieser Menschen heißt: Bleibt weiter dran! Setzt euch weiter ein für Demokratie, für Menschenrechte und für Gewaltlosigkeit", sagt er.

Einsatz für die Freiheit - aber nie mit Gewalt

Liu Xiaobo war kein Christ, aber er kannte beispielsweise die Schriften Dietrich Bonhoeffers, und in seinen Aufzeichnungen nannte er Jesus einmal "mein charakterliches Vorbild". An anderer Stelle schrieb er:

Pfarrer Roland Kühne liest aus den Schriften von Liu Xiaobo © Roland Kühne
Pfarrer Roland Kühne will die Erinnerung an den Menschenrechtler Liu Xiaobo wachhalten.

"Er [Jesus] ruft nicht dazu auf, der Gewalt mit Gewalt zu begegnen, sondern hält fest an seinem gewaltlosen Widerstand. Er nimmt das Kreuz auf sich, und sagt ruhig NEIN. Ganz unabhängig davon, wie säkularisiert und pragmatisch die Welt noch werden wird, solange Jesus, der Sohn Gottes, da ist, solange gibt es auf der Welt Begeisterung, Wunder und Schönheit."

Liu Xiaobo handelte frei nach dem biblischen Leitsatz: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Eine Aufforderung, die auch Roland Kühne sehr wichtig ist: "Ich finde, als Christen sind wir verpflichtet, uns um die Menschen zu kümmern, denen es nicht gut geht. Und mit 'denen es nicht gutgeht' meine ich, die nicht frei leben können, die in Gefängnissen sind, die unterdrückt werden."

Am 13. Juli jährt sich der Todestag von Liu Xiaobo zum vierten Mal. Dann wird Roland Kühne in Hamburg in einem Gottesdienst an den chinesischen Menschenrechtler erinnern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 11.07.2021 | 09:12 Uhr

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