Weiße Rosen hängen an einem Strauch. © Pixabay / Demiahl Foto: Demiahl

Gedenkfeiern für die Opfer der Corona-Pandemie

Sendedatum: 10.03.2021 09:40 Uhr

Am 8. März 2020 ist das erste deutsche Opfer an den Folgen von Covid-19 verstorben. Die Nordkirche gedenkt der Opfer der Corona-Pandemie mit mehreren Gottesdiensten und Gedenkfeiern.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Ich habe das Bild immer noch vor Augen - das kunstvolle Gesteck aus weißen Rosen, durchzogen von einem schwarzen Trauerflor. Nur die Ehefrau steht davor. Tief erschüttert. Und so allein. Ein einziger einsamer Schmerz. Mich hat das so berührt. Dass die vielen Freunde, Verwandten und Kollegen nicht dabei sein konnten, um zu trösten. Dass jede Umarmung erstickt war in Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen.

So kostbar ist das Leben in seiner Blüte und so stechend der Schmerz, wenn das Band gerissen ist.  Gestorben mit, durch, wegen - unter den Bedingungen von Corona - jeder Tod ist wie ein Riss im Leben. Und braucht gerade das Band der Gemeinschaft, um Halt zu geben.

Noch immer ist die Situation angespannt. Und es ist nicht allein der Tod, der traurig macht. Ich sehe auch den jungen Mann, Nieren transplantiert, für den eine Infektion tödlich wäre, der seit einem Jahr in nahezu vollkommener Isolation lebt. Oder das achtjährige Mädchen, das in der Flüchtlingsunterkunft kein WLAN und keinen Schreibtisch hat. Ich denke an die Altenpflegerin, die vor Erschöpfung und Angst, ihre Patienten anzustecken, nicht mehr schlafen kann. Oder den Besitzer einer kleinen Pension, der rechnet und rechnet und nicht weiß, wie es weitergehen soll.

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Raum für Trauer ein Jahr nach der Pandemie

Ein Jahr nach Beginn der Pandemie soll und muss unbedingt Raum sein für Trauer und Erinnerung. Jetzt in der Fastenzeit; dahinein gehört es. Am kommenden Wochenende finden darum an verschiedenen Orten in der Nordkirche Gedenkfeiern für die Opfer und Leidtragenden der Corona-Pandemie statt. In Hamburg gedenken wir ihrer in einer besonderen Gemeinschaft, nämlich mit allen Konfessionen und allen Religionen, gemeinsam mit Vertreterinnen der Stadt. Weiße Blumen werden wir niederlegen für alle, die starben und die leiden, und das Band der Trauer werden wir einweben in unsere Gebete. In allen Sprachen der Welt.

Lange habe ich gesucht nach einem guten Wort in meiner alten Bibel. "Gott tröstet uns in aller unserer Bedrängnis, heißt es, damit wir auch trösten können. Tröstet, tröstet, mein Volk." Dies Wort fühlt sich richtig an. Tröstet mein Volk. Das können wir nur gemeinsam.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 10.03.2021 | 09:40 Uhr

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