Stand: 09.09.2020 12:55 Uhr

"Ein Ort, in den ab und an ein Licht hineinleuchtet"

von Julia Heyde de López

Sitzt ein Rabbi mit seinen Schülern zusammen. Er fragt sie: Wann endet die Nacht und wann beginnt der Tag? Wann ist dieser Moment? Die Schüler überlegen, doch es fällt ihnen nichts Gescheites ein. Schließlich erklärt der Rabbi: Erst dann, wenn du in das Gesicht eines Menschen blicken kannst und deine Schwester, deinen Bruder erkennst, dann wird es Tag.

Corona und Winter - Was wird aus den Flüchtlingen?

Ein Junge blickt auf das niedergebrannte Flüchtlingslager Moria auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos. © Petros Giannakouris/AP/dpa Foto: Petros Giannakouris
Mehrere Brände haben das Flüchtlingslager Moria zerstört.

Meine Nacht endete heute früh mit dem Blick aufs Handy, wo eine Nachrichten-App meldete: Moria steht in Flammen, das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos brennt. Männer, Frauen, Kinder fliehen vor Feuer und Rauch. Mittlerweile ist vom Lager kaum noch etwas übrig. Wo werden die Menschen jetzt Platz finden? Was wird aus ihnen - in Zeiten von Corona und wo Herbst und Winter bevorstehen?

Moria auf Lesbos ist ein "dunkler Ort"

Meine Freundin Andrea arbeitet als Helferin einer christlichen Organisation in Moria. Ein "dunkler Ort", so hat sie es mal beschrieben, "in den nur ab und an ein Licht hineinleuchtet."

Und es bleibt dunkel, es bleibt Nacht an diesem Ort, noch nicht mal dreitausend Kilometer von uns entfernt, solange Europa, solange wir in den Gesichtern der Geflüchteten nicht unsere Schwestern und Brüder erkennen. Wann wird es endlich Tag? Wann wird es endlich hell?

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. © picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 08.09.2020 | 18:15 Uhr

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