Arrangement aus Äpfeln, Birnen und Pflaumen © Pixabay/Andreas N

Erntedank in Krisenzeiten: Blick auf die kleinen Dinge

Stand: 05.10.2022 09:00 Uhr

Brot, Möhren, Kartoffeln, daneben die Bibel, Kerzen leuchten sanft. Vor dem Altar Korngaben, Sonnenblumen und natürlich Kürbisse. So sieht es zu Erntedank in vielen Kirchen aus. Also alles wie immer?

von Pastor Oliver Vorwald

Denn das ist ja ganz viel Ungewissheit, wie es weiter geht in der Welt. Da sind Sorgen vor dem Winter. Aber Dankbarkeit lohnt sich. Dankbar sein für das, was gelungen und gewachsen ist - und sei es noch so klein. Genau darum geht es ja in den alten Erntedankliedern. Zum Beispiel in diesem Vers:

Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn! (EG 508) Matthias Claudius aus "Wir pflügen und wir streuen" (1783)

Erntefeste sind so alt wie die Menschheit

Wie reich die Ernte ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen. Denn Wind, Regen, Sonnenschein lassen sich nicht beeinflussen. "Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand (EG 508,1)", so erzählt es das Erntedanklied. Für die früheren Generationen ganz selbstverständlich. Erntefeste sind übrigens so alt wie die Menschheit. Die Bibel kennt sogar zwei solcher Feiern. Da wäre einmal Schawuot, das Wochenfest (2. Mo 34,22; 4. Mo 28,26). Es findet im Frühling statt. Hier steht der Dank für die Erstlingsgaben im Mittelpunkt.

Sukkot - Das jüdische Laubhüttenfest

Und dann gibt es im Herbst Sukkot, das Laubhüttenfest (2 Mos 23,16). Es gehört bis heute zu den großen Feiern in den jüdischen Gemeinden. In der Kirche sind Erntefeiern seit dem 3. Jahrhundert belegt. Zunächst gibt es regional unterschiedliche Festtermine. Heute wird Erntedank fast überall am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Immer fest geschmückt mit Erntegaben von den Feldern und aus den Gärten. Aber auch für anderes wird "Danke" gesagt. Die Fülle des Augenblicks, das Glück der kleinen Dinge.

"Der Blick auf die kleinen Dinge macht dankbar"

Kaum etwas ist selbstverständlich in diesem Leben. Der Kuss am Morgen, das Lachen der Enkel, Liebe, Freundschaft, dieser besondere Tag am Meer. Der Blick auf solche Momente verändert natürlich nicht die Welt. Er vertreibt weder die Krisen, noch beendet er die großen Konflikte. Aber dieser Blick auf die kleinen Dinge macht dankbar, sogar glücklich. Und genau diese Energie ist so wichtig, um mit den großen Fragen der Zeit leben zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 02.10.2022 | 19:15 Uhr

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