Emmanuel Macron (r), Präsident von Frankreich, spricht in der Hospitality-Schule mit Journalisten. Macron ist bei einem Besuch in einer Kleinstadt im Südosten Frankreichs von einem Mann ins Gesicht geschlagen worden, wie sein Büro bestätigte. © Philippe Desmazes/AFP Pool/AP/dpa Foto: Philippe Desmazes

Emmanuel Macron setzt nach Ohrfeige Zeichen der Versöhnung

Sendedatum: 11.06.2021 19:05 Uhr

Im Juni finden in Frankreich Regionalwahlen statt. Eine Richtungswahl auch für Emmanuel Macron. Der Staatschef ist im Süden des Landes nicht populär - dort schlug ihm ein Mann vor laufenden Handykameras ins Gesicht.

von Pastor Johannes Steffen

Man kann ja von Emmanuel Macron und seiner Politik halten, was man will, aber was der französische Präsident diese Woche erlebt hat, geht zu weit. Er hatte sich in der Nähe von Lyon mit Menschen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe getroffen und ging dabei auf eine Menschenmenge zu, um ihnen die Hände zu schütteln. Aber ein Mann in dieser Menge benutze seine Hand nicht zum Händeschütteln, sondern verpasste ihm eine Ohrfeige. Natürlich stürzten sofort Macrons Bodyguards hinzu, um ihn beiseite zu zerren, aber als er sich kurz berappelt hatte, ging er wieder zu den Menschen zurück, die auf ihn warteten und schüttelte weiterhin Hände.

Auf seine Feinde oder Widersacher zugehen

Dass die Tat des Mannes, der ihm eine Ohrfeige verpasst hat, nicht zu einer Demokratie passt, steht natürlich außer Frage. Aber für mich steht es ebenso außer Frage, dass Macron es genau richtig gemacht hat, sich nicht davon verleiten zu lassen, den Kontakt zu den Menschen abzubrechen. Auch wenn der Schläger selber natürlich vorsichtshalber weggeführt worden war, war es trotzdem bestimmt nicht leicht, sich neu auf diese Menschen zuzubewegen. Als ich diese Szene in einem Video sah, dachte ich an etwas, was Jesus im Matthäusevangelium sagt: "Stell dir vor, du bringst eine Opfergabe zum Altar und dort fällt dir ein, mein Bruder oder meine Schwester hat etwas gegen mich. Dann lass deine Opfergabe vor dem Altar liegen. Geht zuerst und versöhne dich mit deinem Bruder oder mit deiner Schwester."

Einen Schritt zugehen auf die, die etwas gegen mich haben und die mir auch nicht unbedingt wohlgesonnen sind, ist unheimlich schwer, aber es liegt so viel Segen darauf - Segen für uns als Einzelne und Segen für die ganze Gemeinschaft, zu der wir gehören. Und wenn Emmanuel Macron das kann, warum sollten wir es dann nicht auch können? Und wenn wir das tun, befinden wir uns nicht nur in der Gesellschaft des französischen Präsidenten, sondern erst recht auch in der von Gottes Heiligem Geist.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 11.06.2021 | 19:05 Uhr

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