Stand: 15.05.2020 15:11 Uhr

Ein Virus bringt Unruhe in die Welt

von Heiko von Kiedrowski.
Eine Grafik von Corona-Viren © Colourbox Foto: Anterovium
Illustration des Coronavirus.

Ein einfacher Knecht namens Kaspar Schisler kam im Jahr 1633 krank nach Oberammergau und brachte den schwarzen Tod. Im kleinen Dorf starben in kürzester Zeit vierundachtzig Menschen an der Pest. Die Bewohner des Ortes waren erschüttert und voller Angst – so sehr, dass sie vor Gott schworen: Wenn er sie vor dieser furchtbaren Krankheit verschonen würde, wollten sie ab sofort ein Passionsspiel aufführen. Und das erhoffte Wunder geschah: Nach der ersten Aufführung starb niemand mehr in Oberammergau – zumindest nicht an der Pest.

Morgen hätten die zweiundvierzigsten Passionsspiele Premiere gehabt. Über 15.000 Besucher sollten das Passionstheater füllen. Aber wie alle Großveranstaltungen mussten die Verantwortlichen die Aufführungen für dieses Jahr absagen. Wer schon Eintrittskarten hat oder sich noch welche besorgen wollte, muss nun zwei Jahre warten. Die neue Premiere ist für 2022 geplant.

Ansätze für die Eindämmung des Virus

Heiko von Kiedrowski
Das Coronavirus ist keine Strafe Gottes, sagt Pastor Heiko von Kiedrowski.

Bestimmt sind viele traurig, die sich auf die Passionsspiele gefreut haben, auf der Bühne oder auf den Zuschauerplätzen. Aber dass die Aufführungen jetzt abgesagt wurden, ist doch irgendwie auch ein gutes Zeichen. Vor vierhundert Jahren waren die Menschen hilflos einer Infektionskrankheit ausgeliefert. Dass sie ihre Angst, Verzweiflung und Ohnmacht vor Gott gebracht haben, kann ich noch heute nachvollziehen. Aber es hat sich auch viel getan in den letzten Jahrhunderten. Auch wenn jetzt ein kleines fieses Virus die ganze Welt in Unruhe bringt, haben die Forscher eine Menge Ansatzpunkte gefunden, wie es sich hoffentlich eindämmen lässt – und da sind große Aufführungen und enge Zuschauerreihen gar nicht hilfreich.

Auf die Schöpfung Rücksicht nehmen

Das Covid2-Virus ist keine Strafe Gottes. Es ist ein Teil seiner Schöpfung, mit dem wir zugegeben im Moment so unsere Probleme haben. Aber das ist ein Problem auf Gegenseitigkeit, denn an vielen anderen Stellen hat die Schöpfung ein Problem mit uns Menschen.

Vielleicht ist die Zeit reif, dass wir uns überlegen: Wie können wir mehr im Einklang mit der Natur leben? Das wird die aktuelle Krise nicht sofort beenden, das ist klar. Aber nutzen wird es unserer Umwelt auf jeden Fall.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.05.2020 | 19:05 Uhr

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