Eine Frau sitzt neben Ihrem Hund am steinigen Ufer und blickt auf ein weites Gewässer. © COLOURBOX Foto: Kkolosov

Der weite Raum ist durch Corona beschnitten

Sendedatum: 11.11.2020 09:40 Uhr

Der November stellt die Menschen in diesem Jahr vor besondere Herausforderungen. Es fehlt Weite, denn der Aktionskreis ist durch Corona eingeschränkt. Und viele fühlen sich überfordert.

von Pastor Michael Ellendorf

"Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum" - Psalm 31 in der Bibel. Ein richtiges Hammerwort. Es steht ganz hoch im Kurs etwa bei Konfirmandinnen und Konfirmanden. Und tatsächlich habe ich gleich Skateboarder vor Augen, junge Leute, die vor Lebenslust und Vitalität nur so sprühen. Denen die ganze Welt zu Füßen liegt. Klasse Gefühl. Kennen natürlich nicht nur die Jungen. Ich weiß auch von 70-Jährigen, die - immer noch oder gerade wieder - vor lauter Kraft nicht laufen können. "Du stellst meine Füße auf weiten Raum", das ist ja kein Fitnessmotto. Sondern drückt ein Lebensgefühl aus: Ich lebe gerne, ich habe Ziele - und kann die auch erreichen. Ich setze Vertrauen in mich und meine Mitmenschen. Und in Gott.

Menschen brauchen jetzt Übersicht statt weitem Raum

Nun ist November. Der weite Raum ist gerade ziemlich beschnitten, mein Aktionsradius deutlich eingeschränkt durch die Corona-Maßnahmen.  Mein Zutrauen gedämpft. Und statt tatkräftig zu sein, bin ich anfällig. Für schlechte Nachrichten. Dänemark keult Millionen Nerze, die sich infiziert haben mit einem mutierten Coronavirus.  Die Vogelgrippe ist zurück. Die Afrikanische Schweinepest rollt unaufhaltsam gen Westen. Ganz zu schweigen von den täglichen Corona-Infektionszahlen. Und was ist in den USA los ? Kleine Hoffnungszeichen nach der Wahl, aber auch eine Art Seuche: Ein Virus, der Demokratien angreift und gefährdet.

Es wäre gut, gerade jetzt, wenn viele Menschen sagten: Jawohl, weiter Raum vor uns - unser Raum, den wir nicht den Egoisten, den Reaktionären, den Massentierhaltern und Verschwörungstheoretikern überlassen. Unsere Welt, nicht denen ihre.

Ist aber nicht so einfach in diesem November 2020. "Du stellst meine Füße auf weiten Raum", ist ein großartiges Wort. Kann aber auch eine Überforderung sein. Ich brauche jetzt eher Übersichtlichkeit als weiten Raum.  Und bete: Gott, lass den Weg, den du mich führst, nicht zu breit werden. Amen.

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Eine Laborantin sitzt an einem Mikroskop in einem abgedunkelten Labor © Colourbox

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 11.11.2020 | 09:40 Uhr

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