Sendedatum: 11.04.2019 09:40 Uhr

Der Hahn in der christlichen Tradition

von Birgit Mahn
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Wachsam, treu und mutig - dafür steht der Hahn in der christlichen Tradtion.

Das hätte ich gerne fotografiert: den Hahn und die Katze. Offenbar hatten sie sich gestritten. Und dann gab es eine Verfolgungsjagd. Doch, nicht die Katze jagte den Hahn, wie ich es vermutet hätte, sondern der Hahn die Katze. Ganz schön mutig von dem Hahn, denke ich und sehe die messerscharfen ausgefahrenen Krallen meiner Kater vor mir.

In der christlichen Tradition steht der Hahn dafür, wachsam, treu und - mutig zu sein. Verlässlich kräht er morgens und ruft die Menschen dazu auf, ihr Tagewerk zügig in Angriff zu nehmen.

Geschichte von Jesus und Petrus

Sehen wir ihn oben auf dem Kirchturm als Wetterhahn, der sich hin- und herdreht, erinnert er uns an eine Geschichte aus der Bibel: Sie spielt sich ab, nachdem Jesus von den Soldaten gefangen genommen worden ist. Petrus, einer der Jünger, schwört Jesus, ihm die Treue zu halten und sich immer zu ihm zu bekennen. Jesus weiß, dass Petrus dieses Bekenntnis nicht durchhalten wird und sagt es ihm auf den Kopf zu: "Noch bevor der Hahn kräht, wirst du, Petrus, dreimal behaupten, dass du mich nicht kennst." Energisch weist Petrus das von sich. Doch als es ernst wird - dort im Hof des Gefängnisses -, passiert genau das, was Jesus vorausgesagt hat. Petrus behauptet, ich kenne diesen Jesus nicht. Und dann kräht der Hahn. Und Petrus erinnert sich - und weint bitterlich.

"Sei nicht wetterwendisch, sondern aufrichtig", sagt mir der Hahn auf dem Kirchturm. "Dreh dich nicht wie ein Hahn im Wind, sondern stehe zu dem, was du sagst. Nimm dich vor dem Bösen in acht und sei deinen Freundinnen und Freunden treu." Eine Welt, in der die Menschen so miteinander umgehen, wünsche ich mir.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 11.04.2019 | 09:40 Uhr

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