Stand: 29.05.2020 12:09 Uhr

Der Geist weht, wo er will

von Julia Heyde de López
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Landesbischof Ralf Meister aus Hannover erläutert, was wir an Pfingsten eigentlich feiern.

Kein Tannenbaum, kein Osterhase. Pfingsten ist ein Fest ohne äußere Form und Traditionen. Weil wir etwas feiern, das unsichtbar ist: den Heiligen Geist, erklärt Landesbischof Ralf Meister aus Hannover.

Es gehe dabei um die Frage, die Menschen damals bewegte: Wenn Jesus nicht mehr auf dieser Welt lebt, wie erlebe ich dann eigentlich, dass Gott trotzdem präsent ist? "Und dann kommen sie zusammen, und sie erleben ein Ereignis, wo sie so tief spüren: Gott ist jetzt mitten unter uns. Und nennen dieses Ereignis den Geist", so der Bischof. Den Geist, der Gemeinschaft stiftet, über alle sprachlichen Hindernisse und kulturellen Unterschiede hinweg. Gott ist weiterhin präsent und in den Herzen der Menschen. Eine unsichtbare Macht, die sozusagen irgendwo in der Seele schwinge.

Geist - Wind - Atem

Nicht leicht, diese Erfahrung in Worte zu fassen. Hilfreich ist ein Blick ins Hebräische. In der Sprache hat das Wort für Geist - "ruach" - noch weitere Bedeutungen. Es kann übersetzt werden als "Wind" und als "Atem".

"Und jeder, der ein bisschen über Atemmeditation weiß, der kennt das, dass man bei einem ganz bewussten Aus- und Einatmen eigentlich immer mehr tut als nur Luft, nur Sauerstoff aufzunehmen. Sondern man ist dabei, sich selbst zu erfüllen mit etwas, was von außen kommt. Und man lässt es los und nimmt es wieder auf. Und in diesem Rhythmus finde ich es schön, es wieder auf Gott zu beziehen. Also, Gott ist in mir, Gott ist außerhalb meiner Person. Und ich selbst bin auch in der Lage, darauf zu reagieren, mich zu öffnen und ihn aufzunehmen", führt der Bischof aus.

Gott präsent im Herzen der Menschen

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Der Geist ist – genau wie der Wind – eine unsichtbare Macht.

Das stetige Ein und Aus des Atems, lebensnotwendig. Der Wind mit seiner ungeheuren Kraft - und manchmal ist er nur ein leises Säuseln. Das sind gute Bilder. Und der Geist? Was bedeutet er für den Glauben von Ralf Meister? "Alles!" antwortet der hannoversche Landesbischof. "Auch wenn ich es mir oft vielleicht nicht so klar mache - im Prinzip vom ersten Augenblick am Morgen, wenn ich die Augen aufschlage und wenig später mein Morgengebet spreche, ist dieser Geist da." Und er verankert sich in der Seele, so dass man spürt, da ist eine Kraft, da ist ein Trost und eine Hoffnung. Dieses Aufgehoben-sein in Gott - das feiern wir an Pfingsten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 31.05.2020 | 09:12 Uhr

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