Stand: 13.02.2018 11:05 Uhr

Den Mann vor die Tür setzen?

von Sabine Hornbostel

Mein Mann hat seit Kurzem eine Affäre. Nun hat er es mir gestanden. Ich habe ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt. Ich habe auch gleich das Schloss ausgetauscht, damit er nicht mehr in unsere Wohnung kann. Jetzt bin ich mir unsicher - durfte ich das rein rechtlich gesehen?

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Eine Trennung hat nicht nur rechtliche, sondern auch emotionale Folgen.

Das nenne ich konsequent. Ihr Mann geht fremd. Beichtet es nach kurzer Zeit und Sie schaffen ruckzuck klare Verhältnisse. Ihre Wut, Ihre Kränkung kann ich gut verstehen. Sie fühlen sich hintergangen und betrogen. Wollen mit diesem Mann nichts mehr zu tun haben. Schmeißen ihn raus. Und nun? Sie fragen nach den rechtlichen Konsequenzen. Aber was ist mit den emotionalen Folgen Ihres Handelns?

Die Beziehung einseitig beenden?

Ihr Mann hat sich verliebt. Das hat oft Gründe, die ihren Ursprung auch in der Beziehung haben. Und die sind oft vielschichtig. Da spielen zum Beispiel kindliche Beziehungserfahrungen eine Rolle. Da wird der Wunsch nach Nähe und Liebe gekoppelt mit der Furcht vor Abhängigkeit. Da erlebt einer die gemütliche Zweisamkeit als erdrückende Enge. Da legt sich der Alltag wie Mehltau auf die einstigen Gefühle. Und dann bricht einer von beiden aus. Flüchtet, anstatt sich auseinanderzusetzen. Sucht nicht das Gespräch, sondern das erotische Abenteuer. Und katapultiert sich damit aus der Beziehung. Aber ist damit gleich alles zu Ende?

Chance zur Versöhnung wahrnehmen

Wenn Ihnen am Fortbestand Ihrer Ehe gelegen ist, dann sollten Sie nicht nur mit dem Auswechseln der Schlösser reagieren. Lassen Sie die Tür einen kleinen Spalt offen. Suchen Sie das Gespräch. Auch wenn das weh tut. Die Bibel ermutigt uns immer wieder, Versöhnungschancen zu nutzen. Und Jesus selbst fordert uns zur Versöhnung miteinander auf, so lange wir gemeinsam auf dem Weg sind.

Aber nun zu Ihrer konkreten Frage. Grundsätzlich haben beide Ehegatten die gleichen Besitzrechte an der gemeinsamen Wohnung. Dadurch ist keiner berechtigt, dem anderen den Zutritt zu verweigern. Dies gilt unabhängig davon, wer Eigentümer der Wohnung ist oder wer die Miete zahlt.

Erst wenn ein Ehepartner ausgezogen ist und alle seine Sachen mitgenommen hat, dürfen die Schlösser ausgetauscht werden. Ich wünsche Ihnen allerdings die Chance zur Versöhnung und noch einen langen gemeinsamen Weg!

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 13.02.2018 | 10:45 Uhr

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