Sendedatum: 26.10.2019 09:20 Uhr

Zwingli lebte und predigte Nächstenliebe

von Oliver Vorwald

"Premiere am 31. Oktober: 'Zwingli - Der Reformator‘' steht auf dem Kinoplakat. Wer war denn dieser Zwingli?"

Ulrich Zwingli wird gespielt von Max Simonischek. © W-film / C-Films
Am 31. Oktober kommt "Zwingli - Der Reformator" in die Kinos. Max Simonischek schlüpft in die Rolle Zwinglis.

Keine Thesen, kein Hammer - in der Schweiz beginnt die Reformation kulinarisch. Und das liegt an Huldrych Zwingli, Priester am Großmünster in Zürich. Es geschieht an einem Fastensonntag im März 1522, zwölf Männer kommen abends zu Tisch und speisen Verbotenes aus dem Rauchfang: Mettwürste. Die Obrigkeit ruft "Frevel", schließlich ist Fleisch bis Ostern untersagt. Doch Zwingli - obwohl er selbst keinen Zipfel isst - heißt in einer Predigt das Fastenbrechen seiner Freunde gut "evangelisch". Diese Kanzelrede erscheint kurz darauf als Buch. "Von Fryheit der Spysen" gilt als erste protestantische Schrift von Zwingli.

Willst du gerne fasten, das Fleisch nicht essen, tu es, iss es nicht. Aber lass mir dabei den Christenmenschen Freiheit.

Zwingli strebte soziale Gesellschaft an

Das Zürcher Würsteessen hat Folgen. Es gibt Nachahmer und Huldrych Zwingli wird zum Reformator der Schweiz. Zwingli stammt aus einer kinderreichen Bauernfamilie. Er ist begabt, darf deshalb zur Lateinschule, studiert und wird Priester. Im Jahr 1519 geht es für ihn nach Zürich - als Leutpriester am Großmpünster. Ähnlich wie Luther macht auch Zwingli ein befreiendes Bibelerlebnis, das seinen Glauben verändert. Was nicht vom Evangelium gedeckt wird, lehnt er ab. Zwingli lässt deshalb die Bilder aus den Kirchen schaffen. Außerdem betrachtet er den Zölibat als hinfällig und heiratet (1524).

Zwingli engagiert sich für eine soziale Gesellschaft. In Zürich und im Kanton Bern wird auf seine Initiative das Schul- und Kirchenwesen neu geordnet, zudem entsteht eine umfangreiche Armenfürsorge. Und dann wäre da noch die "Züricher Bibel". Auch Zwingli übersetzt das Alte und Neue Testament. Seine Gesamtausgabe erscheint sogar fünf Jahre vor der Martin Luthers. 1531 bricht dann ein Religionskrieg in der Schweiz aus. Zwingli wird gefangen genommen und hingerichtet. Aber seine Gedanken leben weiter, prägen die Reformierte Kirche, ihre Gemeinden von Basel bis Bützow und Boston.

Ein Christ sein heißt nicht, von Christus zu schwätzen, sondern ein Leben zu führen, wie er es geführt hat.

Keine Thesen, keine Hammerschläge, sondern Mettenden. Das Züricher Würsteessen hat für die Eidgenossen einen ähnlichen Stellenwert wie Luthers Thesenanschlag in Deutschland. Das Fastenbrechen vom März 1522 ist ein kulinarisches Symbol für die Glaubensfreiheit in der Schweiz. Und es bleibt untrennbar verbunden mit Huldrych Zwingli, dem Reformator.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.10.2019 | 09:20 Uhr

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