Stand: 30.08.2018 13:00 Uhr

Das Kirchenlexikon - Wie sieht Gott aus?

von Oliver Vorwald

"Wie sieht Gott eigentlich aus? Lässt er sich näher beschreiben? Wie kann ich ihn mir vorstellen?"

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Michelangelos originales Fresko "Die Erschaffung Adams" ist in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans zu sehen.

Rauschebart, weißes Gewand, sehr männlich - so schwebt Gott Vater in der rechen Bildhälfte vor einem wolkenverhangenen Himmel. Ihm gegenüber - in einer ähnlichen Pose - liegt Adam auf einer Wiese im Paradies. Beide schauen sich an. Michelangelo wird mit diesem Gemälde weltberühmt. Er malt es in Tusche auf die Decke der Sixtinischen Kapelle in Rom. Dabei hält sich der Meisterkünstler der Renaissance an die Bibel. Dort heißt es, und Gott sprach: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht (1. Mo 1,26)."

Michelangelo hat Gott ein Gesicht gegeben

Der Mensch als Spiegelbild Gottes, das die Schöpfungsgeschichte erzählt, Michelangelo gibt ihm ein Gesicht - und das wirkt prägend. Über Generationen wachsen Kinder mit dem Bild von einem Gott auf, der menschliche Züge trägt und wie ein weiser Vater über die Erde wacht. Bis die Künstler allerdings so malen dürfen, braucht es sehr viel Zeit. Schließlich kennt die Bibel in den Zehn Geboten ein Bilderverbot. Bis zu Jesu Geburt halten sich die Künstler daran, es drohen nämlich tödliche Konsequenzen, wie die Geschichte von Mose erzählt. "Lass mich deine Herrlichkeit sehen! Und Gott sprach: Ich will … all meine Güte vorübergehen lassen … aber mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht (2. Mo 33,18-20)."

In Jesus wird Gott Mensch

Bilderverbot, verzehrende Heiligkeit. Jesus macht damit Schluss. In ihm wird Gott Mensch. Er begegnet Frauen, Männern und Kindern auf Augenhöhe. Über sich selbst sagt Christus: "Wer mich sieht, der sieht den Vater." Und deshalb entstehen ganz viele Bilder. Darunter irgendwann auch die Gemälde vom Naturtyp mit Bart und wallendem Haar - sozusagen Gott Vater in jugendlich.

Gott hat auch eine frauliche Seite

Aber das ist nicht alles. Die Bibel kennt noch andere Gottesbilder. Bei Jesaja heißt es, "ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." Wie eine Mutter also. Diese frauliche Seite Gottes ist bereits in der Schöpfungsgeschichte angelegt. Dort wirkt der Geist und der ist im hebräischen Original nämlich weiblich. Die Bibel kennt also verschiedene Gottesbilder. Eines haben viele gemeinsam: Sie erlauben es, sich den Allmächtigen als ein Gegenüber mit menschlichen Zügen vorzustellen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 01.09.2018 | 09:15 Uhr