Sendedatum: 07.12.2019 09:20 Uhr

Das Kirchenlexikon - Weihnachtsgeschichte im Koran

von Oliver Vorwald

"Der Koran kennt auch eine Weihnachtsgeschichte, habe ich gehört. Unterscheidet die sich von der in der Bibel?"

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Koran und Bibel haben Gemeinsamkeiten bei der Weihnachtsgeschichte.

Maria. Die reine Jungfrau, auserwählt, beispiellos im Glauben. Wie bei Lukas beginnt auch im Koran mit ihr die Weihnachtsgeschichte. In der islamischen und in der christlichen Version ist es Gabriel, Bote des Allerhöchsten, der Maria die Geburt Jesu ankündigt. Aber im Koran erscheint der Erzengel in menschlicher Gestalt, "als vollkommener Mann". So erzählt es die 19. Sure: "Ich bin nur der Gesandte deines Herrn. Um dir einen reinen Knaben zu bescheren."

Hat Mohammed Teile der Bibel gekannt?

Klingt nicht genauso, aber doch ähnlich wie die Weihnachtsgeschichte bei Lukas. Das könnte bedeuten, der Prophet Mohammed habe möglicherweise Teile der Bibel gekannt. Musliminnen und Muslime hingegen glauben, dass der Koran völlig eigenständige Schrift ist, und zwar die vollkommene Offenbarung Gottes. Wo der Koran von der Thora und Evangelien abweicht, stellt er diese richtig, sagen islamische Gelehrte. Dem Koran zufolge reagiert Maria mit diesen Worten auf die Verheißung des Engels: "Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin."

Unterschiede von Koran und Bibel

"Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir ein leichtes", entgegnet Gabriel darauf. Nach der wundersamen Empfängnis zieht Maria sich an einen "entlegenen Ort" zurück, so die 19. Sure des Koran. Und ab hier gehen die islamische und die christliche Weihnachtsgeschichte weit auseinander. Der Koran kennt weder Josef, noch das Gebot des Kaisers Augustus, schon gar nicht den Stall zu Bethlehem. Maria bringt ihren Sohn im Schatten einer Palme zur Welt. Dafür kann das neugeborene Jesus-Kind unmittelbar nach der Geburt sprechen …

Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und Er machte mich zum Propheten. ... Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und da ich erweckt zum Leben.

Maria verbindet beide heiligen Schriften

Jesus erhält auch im Koran den Titel "Messias" (Sure 4,171). Aber er gilt nicht als Sohn Gottes, wie ihn das Neue Testament verkündigt - und wie ihn zwei Milliarden Christen bekennen. Beide Weihnachtsgeschichten weisen also deutliche Unterschiede auf und erstaunliche Gemeinsamkeiten. Das gilt insbesondere für die Person Maria: In beiden heiligen Schriften ist sie die reine Jungfrau, von Gott auserwählt, beispiellos in ihrem Glauben. Maria könnte also beim christlich-islamischen Dialog eine besondere Rolle spielen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 07.12.2019 | 09:20 Uhr