Menschen stehen vor einem brennendem Scheiterhaufen. Oben drauf sitzt eine stilisierte Hexe. © Pixabay Foto: Melmak

Walpurgisnacht: Hexentanz hat sich als Brauchtum erhalten

Sendedatum: 23.04.2021 09:15 Uhr

In der Walpurgisnacht tanzen nach einer alten Legende Hexen auf dem Brocken im Harz. Sie vertreiben endgültig den Winter - und läuten den Frühling ein.

von Pastor Oliver Vorwald

Walpurgis. Bis heute beflügelt dieser Name die Fantasie. Hexentanz zu nächtlicher Stunde, Paare springen durch lodernde Flammen, Spielleute treiben den Reigen an. Johann Wolfgang von Goethe setzt all das ins Versmaß seiner Faust-Dichtung aus dem Jahr 1808. Der "Frühling webt schon in den Birken", spricht Mephisto am Beginn der Walpurgis-Szene. Da geht es am Vorabend des 1. Mai hinauf zum Blocksberg, dem Brocken. "Da seh ich junge Hexchen, nackt und bloß. Und alte, die sich klug verhüllen ... Komm mit! Komm mit!", so Mephistopheles.

Walpurgisnacht - Namensgeberin ist die Heilige Walpurga

Die Namensgeberin des nächtlichen Treibens ist allerdings keine Hexe gewesen, sondern eine Heilige. Walpurga wird 710 in England geboren (710–779), sie soll eine Tochter des Königs von Wessex gewesen sein. Nach dem Tod ihrer Eltern kommt sie in die Obhut von Nonnen und Mönchen, studiert das Wissen ihrer Zeit. Mit 25 Jahren holt ihr Onkel sie nach Deutschland, Walpurga wird Äbtissin des bedeutenden Klosters Heidenheim, Männer und Frauen leben hier: beten und arbeiten.

Walpurga soll verschiedene Wunder gewirkt haben. 100 Jahre nach ihrem Tod wird sie heiliggesprochen: am 1. Mai 870. Deshalb heißt der Vorabend zu ihrem Gedenktag "Walpurgisnacht". Er wird auch heute noch in einigen Gemeinden am letzten Sonntag im April als "Mai-Fest" gefeiert. Aber Mai-Bäume, Tanz-Feste, der Sprung verliebter Paare übers Feuer haben allerdings einen anderen Ursprung. Der Sprachforscher Johann Christoph Adelung, ein Zeitgenosse Goethes, schreibt dazu in seinem Handwörterbuch der deutschen Mundart.

In den alten Zeiten fing das Jahr bey den Deutschen - als auch bey den übrigen Europäischen Völkern - mit dem ersten May an. Allhier handelt es ich bei dem großen Haufen an Aberglauben in der Walpurgisnacht um einen Überrest, der bey dem Jahreswechsel ehedem üblichen Gebräuche. J.C. Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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Hexenverbrennung im 16. Jahrhundert (Ausschnitt; Foto, koloriert, nach Gemälde um 1860) © picture-alliance/ akg-images

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 23.04.2021 | 09:15 Uhr

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