Sendedatum: 25.04.2020 09:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - Virtuelle Gemeinschaft

von Andreas Brauns

"In Corona-Zeiten können sich Christinnen und Christen nicht in ihren Kirchen zu normalen Gottesdiensten versammeln. Deshalb werden Gottesdienste ohne Gemeinde im Internet übertragen. Und dabei heißt es dann: So werden Gläubige eine virtuelle Gemeinschaft. Ist das eine neue Art von Kirche?“

Online-Gottesdienste sind der Versuch, mit der ungewohnten und schwierigen Situation umzugehen. Wenn eine Gemeinde sich nicht mehr zur Feier versammeln kann, der Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens, dann muss etwas geschehen. Dann muss alles unternommen werden, um Frauen und Männern einen Zugang zu dieser so wichtigen Messe zu ermöglichen. Darum sind in den vergangenen Wochen überall Gottesdienste gestreamt worden.

VIDEO: Corona-Lockerungen für Gottesdienste in Aussicht (5 Min)

Gespür für eine virtuelle Gemeinschaft entwickeln

Eine aufgeschlagene Bibel liegt auf einem Altar. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Online-Gottesdienste sind für viele Gläubige kein Ersatz zu einer realen Feier.

Über die Qualität der Feiern und der Bilder oder Töne lässt sich streiten, doch ein Osterfest ohne Gottesdienst in der eigenen Kirche, das war für manche Seelsorger undenkbar. Und so gab und gibt es nicht nur Übertragungen aus den Bischofskirchen der Bistümer, bei denen Menschen das Gespür für eine virtuelle Gemeinschaft entwickeln können - oder auch nicht. Denn für viele, die sich nach einem Gottesdienst sehnen, ist eine virtuelle Gemeinschaft keine Gemeinschaft. Und nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen werden das vermutlich auch manche bestätigen, die jetzt den Unterschied zwischen virtuell und real neu erfahren haben.

Sollen Kirchen in Corona-Krise innehalten?

Virtuelle Gemeinschaft und virtuelle Frömmigkeit, etwa das Knien vor dem Bildschirm, werden auch kritisch gesehen. Diese künstlichen Ersatzmittel sind keine Lösung für eine Gemeinschaft, die sich einem Wort Jesu verpflichtet sieht: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!" Das ist nicht die virtuelle Gemeinschaft mit dem Pfarrer oder Bischof via Internet, das ist die Kirche im Haus, in der Familie. Für diese Kirche gibt es im Internet Vorschläge, wie man Gottesdienst feiern kann, also gemeinsam beten und singen. Aber diese kleinen Kirchen sind in diesen Formen ungeübt, da es sonst fast nur Gemeindegottesdienste mit Priestern gibt.

Die Corona-Krise wäre also auch für die Kirche eine Chance innezuhalten. Um vielleicht zu lernen, die Quelle und der Höhepunkt des christlichen Glaubens, also die Heilige Messe, stehen nicht immer zur Verfügung. Wo aber zwei oder drei sich in Jesu Namen versammeln, ist er dabei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 25.04.2020 | 09:15 Uhr

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