Ein Blick auf ein ruhiges Meer mit blauem Himmel und gerader Horizontlinie. ©  photocase.de Foto: Seleneos

Die Bibel räumt "Urlaub" große Bedeutung ein

Stand: 29.07.2021 14:02 Uhr

Der Begriff "Urlaub" stammt aus der Sprachwelt des Mittelalters. Er meint die Freiheit, wegzugehen zu dürfen. Aber auch in der Bibel sind Erholung und Ruhezeiten auch schon von Bedeutung.

von Pastor Oliver Vorwald

Auch er ist "dann mal weg". Ein paar Wochen offline. Ganz für sich. So erzählen es die Evangelien. Bevor Jesus mit dem Wundermachen und Menschenfischen anfängt, zieht er sich für 40 Tage in die Wüste zurück. 40 Tage mit Sand unter Füßen, Wind im Haar, Fasten und Meditieren. Diese Wochen tun ihm gut. Anschließend geht Jesus voller Elan seine große Aufgabe an. Und auch während der Wanderschaft mit den Jüngerinnen und Jüngern gönnt er sich immer wieder solche "Auszeiten" …

In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten (Lk 6,12).  … Jesus verließ den Ort. Er fuhr mit dem Boot zu einer abgelegenen Stelle, um allein zu sein. Mt. 14,13

Auch Gott hat einen Ruhetag eingelegt 

Auszeit, Selbsterfahrung, Urlaub - moderne Begriffe. Die Bibel kennt sie nicht. Aber sie weiß, wie wichtig Erholung für den Menschen ist. Das dritte Gebot fordert, einmal in der Woche alles stehen und liegen zu lassen: am siebten Tag. Erklärt wird diese Regel, das Sabbatgebot, mit dem Hinweis auf die Schöpfungsgeschichte. Sechs Tage ackert und rackert Gott, schafft Berge, Meere, Tiere, Pflanzen, Menschen. Anschließend legt er einen Ruhetag ein. So sollen es auch die Menschen machen …

Der Begriff "Urlaub" stammt aus dem Mittelalter

Der Begriff "Urlaub" stammt übrigens aus der Sprachwelt des Mittelalters. Er meint die Freiheit, wegzugehen zu dürfen. Knechte und Mägde konnten sich diese Erlaubnis beim Altbauern einholen, dem sogenannten Ur. Aus beiden Worten entsteht dann "Ur-laub". Mit unbeschwerten Ferientagen hat der allerdings wenig zu tun. Zwar entstehen im 18. und 19. Jahrhundert viele Seebäder und Kurorte in Deutschland, die sind aber zunächst nur etwas fürs wohlhabende Bürgertum oder für Adelsfamilien. Der Erholungsurlaub im heutigen Sinn entwickelt erst im Lauf des 20. Jahrhunderts, als entsprechende Gesetze erlassen werden …

Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel, die Erde und das Meer gemacht - mit allem, was dort lebt. Aber am siebten Tag ruhte er. Deswegen hat der Herr den Ruhetag gesegnet und ihn zu einem heiligen Tag gemacht. 2. Mo 20, 8-11

Mann auf einem Steg (Montage) © fotolia.com Foto: Katja Xenikis
Erholung hat schon in der Bibel einen großen Stellenwert.

Fasten, Meditieren in der Wüste, eine kurze Auszeit in den Bergen, die Stille auf dem Wasser. Auch wenn die Bibel den "Urlaub" im heutigen Sinn nicht kennt, so räumt sie doch der regelmäßigen Erholung einen großen Stellenwert ein. Heißt, der Mensch kann nur dann wirklich voller Elan seine Aufgaben anpacken, wenn er regelmäßig offline geht, einfach "mal weg" ist.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 31.07.2021 | 09:15 Uhr

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