Sendedatum: 11.07.2020 09:15 Uhr

Auch Jesus gönnte sich "Urlaub"

von Oliver Vorwald

"In Niedersachsen beginnen nächste Woche die Schulferien. Wie war das mit Jesus? Hat der sich nicht hin und wieder auch solche Auszeiten gegönnt?"

Sommer, Sonne, Kaktus. Dorthin bringt ihn der Geist, nonstop. Es werden vierzig Tage in der Wüste. Sand auf der Haut, Wind im Haar, Fasten, Meditieren. Diese Wochen tun dem Zimmermannssohn gut. Voller Elan geht Jesus anschließend seine große Aufgabe an. Auch während der dreijährigen Wanderschaft durch Israel gönnt er sich immer wieder solche "Auszeiten", meist Bergtouren, erzählt die Bibel.

Auch die Bibel regelt "Urlaub"

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Eine Auszeit vom Alltag ist auch schon in der Bibel ein Thema.

Auszeit, Selbsterfahrung, Jahresurlaub - moderne Begriffe. Die Evangelien und die Mosebücher kennen solche Worte nicht. Aber die Sehnsucht des Menschen nach Erholung, ist der Bibel bestens vertraut. Sie enthält sogar eine gesetzliche Regelung. Das Dritte Gebot verpflichtet jedermann, einmal in der Woche alles stehen und liegen zu lassen. "Am siebten Tag ist Sabbat. Da sollst du keine Arbeit tun", sagt die Bibel wortwörtlich. Erklärt wird diese Regel mit dem Hinweis auf die Schöpfungsgeschichte. "In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und ruhte am siebenten Tag (2. Mo 20,8-11)."

Der gesetzliche Anspruch kommt erst spät

Der Begriff "Urlaub" stammt übrigens aus der Sprachwelt des Mittelalters. Er meint die Freiheit, wegzugehen zu dürfen. Knechte und Mägde konnten sich diese Erlaubnis beim Altbauern einholen, dem sogenannten Ur. Aus beiden Worten entsteht dann "Ur-laub". Mit unbeschwerten Ferientagen hat das zunächst wenig zu tun. So etwas es erst im 18. und 19. Jahrhundert. Damals entstehen an der See und in den Bergen immer mehr Kurorte. Ein teures Vergnügen, ausschließlich für Adelige und wohlhabende Bürger. In Deutschland kommen Regelungen zum Erholungsurlaub für einzelne Berufsgruppen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zustande. Bis daraus ein gesetzlicher Anspruch wird, dauert es noch einige Jahrzehnte.

Fastenwochen in der Wüste oder eine kurze Auszeit in den Bergen. Vielleicht hatte Jesus es zu seiner Zeit damit leichter als andere? Möglich. Schließlich ist er als Kopf der Jünger "Chef" und in gewisser Weise "selbständig". Interessant bleibt allemal, dass die Bibel der regelmäßigen Erholung einen großen Stellenwert beimisst. Heißt: Der Mensch kann nur dann voller Elan seine Aufgaben anpacken, wenn er sich regelmäßig Urlaub macht.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 11.07.2020 | 09:15 Uhr

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