Stand: 06.04.2017 12:15 Uhr  | Archiv

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von Andreas Brauns

"In einem Artikel habe ich gelesen, dass die kommende Woche 'Stille Woche' heißt. Warum heißt die Woche vor Ostern so?"

Weil es ursprünglich eine Woche der Trauer ist. Die letzte Woche der Fasten- oder Passionszeit ist die "Karwoche": Das althochdeutsche Wort "kara" steht für Kummer, Klage und Trauer. Und zur Trauer gehört in unseren Breiten die Stille. Doch mit der Stille ist das alles andere als einfach. Das wissen nicht nur Eltern und Lehrer. Stille ist eher die Ausnahme.

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Die Karwoche ist nicht nur das Ende der Fasten- oder Passionszeit. Sie gilt auch als Trauerwoche.

Für Christen ist die "Stille Woche" eine ganz besondere Woche: die heilige Woche. Sie erinnert an das Leiden und Sterben Jesu. An die letzten Tage seines Lebens, die er in Jerusalem verbracht hat. Am Palmsonntag wird in den Gottesdiensten davon erzählt, wie der Mann aus Nazareth in Jerusalem begeistert empfangen wurde. Denn als Wundertäter hatte er sich einen Namen gemacht.

Immer weniger können mit Stille umgehen

Doch schon wenige Tage später ist alles vorbei: eben noch Jubel, jetzt beklemmende Stille. Nach einem Essen mit seinen Freunden wird Jesus verhaftet. Einer aus seinem engsten Kreis hat ihn verraten - mit einem Kuss, so erzählt es die Bibel. Am Tag nach der Verhaftung wird Jesus vor Gericht gestellt und verurteilt. Dann von römischen Soldaten ans Kreuz geschlagen. Er stirbt und wird in ein Grab gelegt. Daran erinnern sich die Christen Gründonnerstag und Karfreitag. Der kommende Freitag ist sogar ein besonders geschützter Tag. Noch. Denn die Stille dieses Tages, der Charakter des gesetzlich vorgeschriebenen Feiertages mit besonderen Einschränkungen, sagt immer weniger Menschen etwas. Die Stille ist nur zu verstehen aus dem Glauben an den Gott der Christen. Doch selbst Christen tun sich manchmal schwer damit. Sie können mit der Stille nur wenig anfangen.

Trauer ist eine sehr persönliche Angelegenheit, die sich per Gesetz nicht regeln lässt. Wer von einem Ereignis betroffen ist, sucht oft die Stille. Zündet eine Kerze an und verharrt - mit vielen anderen - schweigend vor der Flamme. Nach Naturkatastrophen und Anschlägen ist das immer wieder zu sehen. Die "Stille Woche", sie ist ein Erinnern und ein Innehalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.04.2017 | 09:15 Uhr

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