Weihnachtstern am Nachthimmel © picture alliance / Panther Media Foto: Shing Lok Che

Enge Begegnung von Jupiter und Saturn überstrahlt alles

Stand: 15.12.2021 09:30 Uhr

In der bildlichen Vorstellung besteht der "Weihnachtsstern" aus einem Kometen mit langem Schweif. In der Theorie handelt es sich beim Stern von Bethlehem wohl um eine enge Begegnung von Jupiter und Saturn.

von Pastor Oliver Vorwald

Der Stern von Bethlehem. Johannes Kepler glaubt daran, forscht, findet eine Erklärung. Im Jahr 1603 beobachtet der Astronom ein besonderes Phänomen am Nachthimmel, eine Konjunktion von Jupiter und Saturn. Die beiden Planeten kommen einander so nahe, dass sie zu einem Leuchten verschmelzen, das alles überstrahlt. So könnte es auch damals gewesen sein, bei Jesu Geburt wie sie die Weihnachtsgeschichte erzählt, folgert Johannes Kepler.

Da Jesus geboren war zu Bethlehem, da kamen Weise aus dem Morgenland und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen … Matthäus 2,1-2

Keppler versteht sich als "Priester am Buch der Natur"

Johannes Kepler wird vor 450 Jahren geboren, am 27. Dezember 1571, in Weil nahe Stuttgart. Als Kind beeindruckt er mit zweierlei: durch Rechenkünste und seinen Glauben. Er will Pfarrer werden, studiert evangelische Theologie. Dabei beschäftigt er sich auch mit Astronomie, der Sternkunde - damals so üblich. Nach dem Examen wird ihm statt der Pfarre eine Stelle als Mathematiker angeboten. Johannes Kepler hadert zunächst mit diesem Weg, macht dann aber Karriere am Kaiserhof. Und er revolutioniert die Astrophysik: Mit dem Datenmaterial eines Kollegen berechnet der Astronom, dass die Planeten nicht kreisförmig um die Sonne laufen, sondern in ovalen Bahnen: Ellipsen. Diese und andere Ergebnisse gehen als Keplersche Gesetze in die Wissenschaft ein. Sein Glaube geht ihm dabei übrigens nie verloren, er versteht sich als "Priester am Buch der Natur" und sagt: "Im Weltall kann ich Gott mit den Händen greifen."

Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen … Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Denn uns ist ein Kind geboren. 4. Mo 24,17ff. i.A und Jes 9,2-6 i.A.

Konjunktion von Jupiter und Saturn

Es gibt weitere Theorien zum Stern von Bethlehem. Keine lässt sich wissenschaftlich belegen. Einzig und allein die von Johannes Kepler. Er berechnet, dass es im Jahr 7 vor Christus innerhalb weniger Monate gleich drei Mal eine Konjunktion von Jupiter und Saturn stattgefunden hat. Da Jupiter als Königsstern gilt, Saturn als Beschützer Israels, hätten die Sterndeuter daraus gefolgert, dass in Juda ein mächtiger Herrscher geboren wird. Johannes Kepler wird 58 Jahre alt, er stirbt 1630 in Regensburg. Er ist zuletzt überzeugt, dass Gott ihn zum Studium der Gestirne geführt habe.

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Weihnachtsbescherung durch den als Weihnachtsmann verkleideten Familienvater. Kupferstich von 1799 von J.H.Lips nach J.M.Usteri. © picture-alliance / akg-images

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 18.12.2021 | 07:30 Uhr

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