Sendedatum: 20.07.2019 09:20 Uhr

Widerstandskämpfer schöpften Kraft im Glauben

von Oliver Vorwald

"Das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler ist 75 Jahre her. Für viele Frauen und Männer des Widerstands soll ihr Glaube eine wichtige Rolle gespielt haben - auch für Stauffenberg. Stimmt das?"

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Bei einem Führungstreffen der Wehrmacht am 15. Juli 1944 war auch Stauffenberg (links) dabei.

Der 19. Juli 1944 glüht vor Hitze. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg verbringt den Tag im Allgemeinen Heeresamt in Berlin, abends lässt er sich zu einer Kirche fahren. Der Mann, der Adolf Hitler töten will, taucht für wenige Minuten ein in die Kühle der Mauern, sucht Heil im Sakrament. Am nächsten Tag platziert er eine Bombe im Führerhauptquartier, doch das Attentat scheitert, Stauffenberg wird gegen Mitternacht des 20. Juli erschossen. Das NS-Regime verhaftet daraufhin Tausende und verhört sie.

"In den Untersuchungen ... stellt sich immer wieder heraus, dass die konfessionellen Bindungen ... Beziehungen in der Verschwörerclique eine große Rolle gespielt haben (aus den Kaltenbrunner-Berichten)."

Schwäbische Adelsfamilie, katholische Erziehung, Karriere in der Reichswehr. Von den Nazis ist Stauffenberg zunächst begeistert, das ändert sich allerdings im Krieg. 1943 wird er schwer verwundet, kommt zum Widerstand. Stauffenberg sucht in dieser Zeit auch den Kontakt zu NS-kritischen Kirchenleuten. Gottesdienste besucht er in Uniform - als Bekenntnis.

Tresckow hat als Christ gehandelt

Ähnlich verhält sich Henning von Tresckow. Auch er Berufssoldat, dazu leidenschaftlicher Protestant, geboren in Magdeburg. Tresckow und Stauffenberg arbeiten die Pläne für den 20. Juli aus. Beide wollen den Krieg beenden, die Verbrechen stoppen, den Rechtsstaat neu aufbauen. Aber anders als Stauffenberg zählt Tresckow schon Ende der 1930er-Jahre zu den entschiedenen Regimegegnern. Dieser Schritt, auch eine Glaubensfrage: "Ein wirklich überzeugter Christ kann doch nur ein überzeugter Gegner sein", so Tresckow.

Glaube als Kraftquelle im Widerstand

Zur Wahrheit gehört aber auch dies: Tresckow, Stauffenberg - sie sind Teil und Träger der deutschen Kriegsmaschinerie. Und beide stehen der parlamentarischen Demokratie skeptisch gegenüber. Ungebrochene Lebensläufe sind selten. Was diese Männer des 20. Juli auszeichnet, sie handeln. Ihr Glaube ist dabei Kompass und Kraftquelle, wie für die Mitglieder der Weißen Rose. Henning von Tresckow erfährt vom Scheitern des Attentats an der Ostfront. Um andere zu schützen, fährt er in ein Waldstück und sprengt sich mit einer Granate in die Luft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 20.07.2019 | 09:20 Uhr

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