Stand: 16.10.2018 13:20 Uhr

Oscar Romero in Rom heiliggesprochen

von Andreas Brauns

"Ich habe vor Kurzem im Radio etwas über einen Bischofs gehört, der in seiner Kirche während eines Gottesdienstes erschossen wurde. Was war das für ein Mann, der jetzt in Rom heiliggesprochen wurde?"

Oscar Romero war in erster Linie Priester. Viele Jahre nur umgeben von Büchern und Papieren. Als er Ende der Siebzigerjahre in El Salvador zum Erzbischof ernannt wurde, galt er als nett und konservativ. Als jemand, der für Arme und Reiche da ist.

Verteidiger von Menschenrechten

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Papst Franzikus hat den früheren Erzbischof von El Salvador, Oscar Romero, selig gesprochen.

Doch dann gibt es in El Salvador ein Massaker an Landarbeitern. Die waren für ihre Rechte auf die Straße gegangen. In dieser Situation verfasst der Erzbischof zusammen mit der Bischofskonferenz einen Hirtenbrief und bezeichnet das Massaker als Sünde. Der Hirtenbrief wird in allen Kirchen verlesen. Die Mächtigen im Land reagieren auf ihre Weise: Sie lassen einen Freund des Erzbischof ermorden, einen Jesuitenpater, der sich für die arme Landbevölkerung eingesetzt hatte.

Diese Ereignisse machen Oscar Romero zu einem Verteidiger der Menschenrechte, zu einem unbequemen Mann für die Regierenden. Er notiert: "Die Anbeter der irdischen Mächte verfälschen die Wahrheit." Bis zu seinem Tod steht er unbeirrt auf der Seite der Opfer. In einem Brief schreibt er: "Das Kreuz ist Realität in Lateinamerika und wird täglich realer. Es anzunehmen, das ist unsere Aufgabe."

Späte Anerkennung durch den Vatikan

In dem Buch "Nicht schweigen" sind jetzt erstmals Auszüge aus persönlichen Briefen des Erzbischofs nachzulesen. Kommentiert von seinem früheren Privatsekretär. Der wollte am 24. März 1980 eigentlich den Gottesdienst feiern, bei dem der Erzbischof am Altar ermordet wurde. Gleich nach seinem Tod wird Romero in El Salvador als Heiliger verehrt. Nur der Vatikan tut sich lange schwer mit dem unbequemen Mann, der sich entwickelt hatte vom Handlanger der Macht, der den Reichen sanft ins Gewissen redet, zum Anwalt der Armen, der mit scharfer Zunge die Mächtigen geißelt.

Buch-Tipp

Oscar A. Romero
"Nicht schweigen"
Katholisches Bibelwerk (Camino)
Preis: 18 Euro

Nach über 30 Jahren hat Papst Franziskus Oscar Romero nun heiliggesprochen. Und damit deutlich gemacht: Auch ein Erzbischof kann ein politischer Märtyrer sein. Einer, der sein Leben gibt für das unbequeme Wort Gottes. Viele Jahre hat der Vatikan gebraucht, um das zu bestätigen, was das Volk von El Salvador schon lange weiß: Erzbischof Oscar Romero ist ein Symbol gelebter Solidarität. Er, der so ängstlich war, ist zum Vorbild geworden.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 04.07.2015 | 09:15 Uhr