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von Oliver Vorwald
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Das Kirchenlexikon - Salomonisches Urteil

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"Das salomonische Urteil. Diesen Begriff höre ich immer wieder. Was bedeutet er? Ich meine, es hat irgendetwas mit einem biblischen König zu tun."

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König Salomo wurde wegen seiner Weisheit gerühmt.

Klug, bescheiden, gerecht. So soll er gewesen sein, König Salomo. Die Herrscher der großen Reiche an Euphrat, Tigris, Nil bewundern ihn. Denn Gott hat Salomo einen Geist gegeben, erzählt die Bibel, "so weit, wie Sand am Ufer des Meeres liegt" (1. Kön 5,9ff.). Diese grenzenlose Weisheit muss er gleich am Beginn seiner Regentschaft beweisen. Das tut er in einem spektakulären Gerichtsprozess. Da muss Salomo über das Leben eines Kindes urteilen.

Lebenskluger Richterspruch

Der Thronsaal in Jerusalem. Wasserspiele, Hofbeamte mit Papyrusrollen, ein Gong schwirrt. Zwei Frauen kommen herein, ihnen folgt ein Diener mit einem Baby im Arm. Vor dem König verbeugen sie sich, knien nieder. Beide behaupten, Mutter des Neugeborenen zu sein. Jede beschuldigt die andere, ihr das Kind nachts gestohlen zu haben. Eine undurchsichtige Situation, eine hochexplosive Stimmung. Böse Blicke, Tritte, Flüche. Auf einen Wink des Königs verstummen die Frauen. "Holt ein Schwert", ruft Salomo. "Teilt das Kind in zwei Teile. Gebt dieser die Hälfte und jener die andere."

Entsetzen im Thronsaal, Stille, Schweigen. Als der Diener zum Schlag ausholt, ruft eine der Frauen: "Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind, tötet es nicht." Daraufhin erhebt sich der König und ergreift das Wort. "Hier haben wir die wahre Mutter. Denn ihr ist das Leben des Kindes wichtiger als alles andere. Gebt ihr das Baby." Sein lebenskluger Richterspruch macht Salomo in Israel zur Legende. Die umsichtige Prozessführung geht als salomonisches Urteil in die Rechtsgeschichte ein.

König des Friedens

Klug, bescheiden, gerecht - so ist Salomo gewesen. Statt Kriege zu führen, setzt er auf Handel mit Syrien, Saba und Ägypten. Er lässt einen Tempel errichten, schreibt Lieder und Gedichte. Unter seiner Regentschaft gelangt Israel zu nie dagewesener Blüte, erzählt die Bibel. Dieser Segen spiegelt sich in seinem Namen. Salomo geht auf das hebräische Wort Schalom zurück. Schalom bedeutet "Heil, Ruhe, Frieden".

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 05.08.2017 | 09:15 Uhr

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