Stand: 29.06.2016 11:35 Uhr  | Archiv

Das Sakrament der Ehe ist ein Bund mit Gott

von Andreas Brauns

"Papst Franziskus hat vor Kurzem gesagt: Die meisten katholischen Ehen seien ungültig. Die Ehepartner wüssten nämlich gar nicht, zu was sie da 'Ja' gesagt hätten. Glaubt der Papst das wirklich?"

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Die kirchliche Trauung ist mehr als Ringetausch und Treueschwur.

Offensichtlich, er ist Realist. Da gehen Paare zu ihrem Pfarrer, weil sie heiraten wollen. Alles ist dann im Gespräch wichtig, nur nicht das, worauf die katholische Kirche besonderen Wert legt: das Sakrament. Die Ehe ist ein "heiliger Stand" und damit mehr als nur "ein weltlich Ding", wie sie es für Luther war. Aber genau das, was nicht im Blick ist, das Sakrament, macht es im Fall des Falles so kompliziert. Denn ein Sakrament, ein Bund unter zwei getauften Christen, ist unauflöslich. Die Kirche sagt: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen."

Haben Paare bei der Trauung Gott im Blick?

Die Frage aber ist: Hat Gott die Brautleute verbunden? Und: Hatten sie bei ihrer Hochzeit Gott überhaupt im Blick? Oder spielte Gott gar keine Rolle? Ging es nur um den feierlichen Rahmen, der für viele traditionell immer noch dazu gehört. Oder war eine Schwangerschaft der Grund für die Heirat? Konnte das Paar sich also gar nicht frei entscheiden für eine lebenslange Bindung, für ein Sakrament?

Der Papst hat bei einem Kongress leise Zweifel angemeldet, weil das Leben nun mal so ist wie es oft ist. Da geraten Menschen in Situationen hinein, ohne über Treue und alle Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken. Viele leben so zusammen, haben dabei eine lebenslange Bindung gar nicht im Blick. Sie werden vom Papst nicht verurteilt. Im Gegenteil: Er mahnt seine Kirche, diese Paare geduldig zu begleiten, damit sie reifen und sich dann womöglich für eine Eheschließung vor Gott entscheiden.

Das Leben ist oft komplizierter als eindeutige Regeln

Die Ehe, sie ist für den Papst das allerschwierigste Gebiet der Seelsorge. Damit ist eigentlich alles gesagt. Ehe ist eben noch komplizierter als das Kirchenrecht es ahnen lässt. Im Recht gibt es ziemlich eindeutige Regeln, doch das Leben ist nicht immer so eindeutig. Das fängt schon damit an, dass Brautleuten vermutlich gar nicht so klar ist, was es bedeutet, sich - vor Gott - das Sakrament der Ehe zu spenden. Wer spricht mit ihnen darüber?

Bei der Feier werden Ringe getauscht. Als Zeichen der Treue. Doch ein Sakrament ist mehr. Es ist ein Bund mit Gott. Und der wird von der Kirche oft stillschweigend einfach mit geschlossen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

 

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