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von Jan von Lingen

"Ich habe eine Frage zu einer biblischen Geschichte. Da spricht Jesus an einem Brunnen mit einer Samariterin, mit der er als Jude eigentlich nicht sprechen durfte. Mich interessiert: Wer waren die Samariter? Was ist der Unterschied zu den Juden? Was führte zum Zwist?"

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Samaritaner feiern in der West Bank auf dem Berg Gerizim Sukkot.

Noch heute gibt es die Samariter oder die Samaritaner, nach denen Sie fragen. Rund 700 Angehörige dieser Volksgruppe leben in Israel und im Westjordanland. Sie sind eine kleine religiöse Gemeinschaft, haben eigene Priester und feiern uralte kultische Feste. Viele Samaritaner leben noch heute dort, wo sie vor 2.500 Jahren ein großes Heiligtum errichtet hatten. Archäologen legen gerade dessen Grundmauern frei. Fast wäre ihre Gemeinschaft untergegangen. Von dem einst sehr großen Volk gab es nach dem nach Ersten Weltkrieg nur noch gut 100 Angehörige. Denn im Gegensatz zu den Juden, die in alle Welt aussiedeln durften, harrten die Samaritaner aus religiösen Gründen in ihrer alten Heimat aus - und litten unter den wechselnden Mächten, die das Land mehr als zweitausend Jahre lang unterjochten.

Feindschaft zwischen Samaritern und Juden

Mehrfach wird in der Bibel von ihnen erzählt, und es wird deutlich: Obwohl Samariter und Juden zu einem Volk gehörten, herrschte bittere Feindschaft zwischen ihnen. Die Samaritaner galten aus jüdischer Sicht als Sekte und als "unrein". Und darum wunderte sich die samaritanische Frau am Brunnen über Jesus: "Warum sprichst Du mit mir?" Der Hauptunterschied waren die Heiligtümer: Die Juden kannten nur einen Kultort, nämlich den Tempel in Jerusalem. Die Samaritaner hatten aber ein anderes Heiligtum, 50 Kilometer entfernt, auf dem Berg Garizim. Und dieser Tempel wurde von einem jüdischen König zerstört. Das führte zur Feindschaft. Aber noch weiteres trennte die Samaritaner von den Juden: Die Samaritaner akzeptieren nur die fünf Bücher Mose (die "Thora"), alle anderen biblischen Bücher - wie die Prophetenbücher und die Psalmen - lehnen sie ab. "Samaritaner" war darum ein Schimpfwort zur Zeit des Neuen Testaments.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Um so erstaunlicher ist, dass Jesus, der jüdische Rabbi, so freundlich mit der samaritanischen Frau an jenem Brunnen redete - und sogar einmal einen Angehörigen dieser verfeindeten Volksgruppe als leuchtendes Beispiel vor Augen stellte. Denn in einem Gleichnis erzählte er vom "barmherzigen Samariter". Weltbekannt ist dieses Gleichnis: Während fromme Juden an einem Schwerverletzten schnell vorübergehen, hilft der Samariter jenem Mann, der unter die Räuber gefallen war. "Geht hin und handelt ebenso", sagte Jesus seinen erstaunten jüdischen Zuhören. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass in den Anfängen der Kirche auch Samaritaner sehr früh christliche Gemeinden gründeten.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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