Sendedatum: 22.02.2020 09:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - Rom spricht Machtwort

von Andreas Brauns

"Vor Kurzem hat der Papst doch in einem nachsynodales Schreiben klar gesagt: Es bleibt bei den Priestern beim Zölibat, und Frauen erhalten kein Amt. Ist das nun das Ende aller Diskussionen bei den Katholiken?"

Papst Franziskus I. bei der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz. © picture alliance / Pressefoto Ulmer Foto: Pressefoto Ulmer
Papst Franziskus ist der bischöflichen Empfehlung zu Lockerung des Zölibats und dem Diakonat für Frauen nicht gefolgt.

Früher wäre das mit Sicherheit so gewesen, da hieß es immer "Roma locuta causa finita" - Rom hat entschieden, die Sache ist erledigt. Dieser Rechtsgrundsatz stammt aus dem Kirchenrecht und besagt: Die höchste kirchliche Instanz, also der Papst, hat entschieden. Es gibt es keine Rechtsmittel mehr, also auch keinen Raum für weitere Diskussionen.

Franziskus will keine Frauen im Diakonat

Ob es allerdings jetzt, nach dem verbindlichen Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode, auch keine weiteren Diskussionen geben wird, das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Mit seinem lange erwarteten Schreiben mit dem Titel "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) hat der Papst viele enttäuscht. Er beschreibt darin vier Visionen für Amazonien, doch er greift dabei nicht die Vorschläge der Versammlung auf, die sich auf die ganze Kirche ausgewirkt hätten. Hatte die Synode doch vorgeschlagen, verheiratete Männer zu Priestern und Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Aber diese Vorschläge erwähnt der Papst in seinem Schreiben mit keinem Wort, nicht einmal mit einer Fußnote. Die Tür wird nicht geöffnet. Papst Franziskus schreibt nur von "Laiendiensten", die in Zukunft gefördert werden sollen. Laiendienste bis hin zur Gemeindeleitung, was allerdings heute schon möglich ist.

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Ein Mädchen aus dem Amazonas-Gebiet überreicht Papst Franziskus während Abschluss-Messe der Bischofssynode über die Amazonas-Region eine Pflanze. © picture alliance/Alessandra Tarantino/AP/dpa Foto: Alessandra Tarantino

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Papst verpasst Chance für einen Fortschritt

Sind jetzt alle Diskussionen beendet? Oder darf weiter diskutiert werden über den Zugang zu Ämtern? Immerhin hat der Papst ja auch geschrieben, dass er in seinem Schreiben zur Synode nicht alle Fragen entfaltet, die auf der Versammlung besprochen wurden. Und noch etwas, mit seinem Schreiben will er das Abschlussdokument der Synode nicht ersetzen. Das sind neue Töne, die leise hoffen lassen.

Viele sind jedoch enttäuscht. Hatten sie doch ihre Hoffnung auf ein Machtwort aus Rom gesetzt: "Roma locuta, causa finita" - Rom hat entschieden, die Sache ist erledigt. Nein, offensichtlich ist die Sache nicht erledigt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.02.2020 | 09:15 Uhr

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