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von Jan von Lingen

"Unsere Musikschule lädt im Advent immer zum sogenannten Quempassingen ein. Was bedeutet dieser Begriff?"

Stellen Sie sich folgendes vor: eine Kirche ganz im Dunkeln. Dann leuchtet eine Kerze auf. In ihrem Schein beginnt ein Solist zu singen: "Den die Hirten lobeten sehre." Nach der ersten Zeile verstummt er und eine zweite Stimme ertönt aus einer anderen Richtung der Kirche und ergänzt den Reim: "... und die Engel noch viel mehre!" Nachdem insgesamt vier Solisten oder auch vier Gruppen zu hören waren, singen sie die nächste Strophe gemeinsam. Auf diese Weise wird der Gesang langsam lauter. Als Höhepunkt stimmt dann die ganze Gemeinde im Refrain mit ein. So klingt ein traditionelles Quempaslied. Es ist übrigens rund 500 Jahre alt und steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 29: "Den die Hirten lobeten sehre."

Weihnachtlicher Rundgesang zur Ankunft von Gottes Sohn

Das ungewöhnliche Wort Quempas ist die lateinische Übersetzung dieses Liedes. Sie lautet "Quem pastores laudavere". Da würden geübte Lateiner übersetzen: wie die Hirten lobten. Quempassingen heißt also so viel wie die Hirten singen wir für das Kind in der Krippe. Ein traditionelles Quempas-Singen in einer Kirche spielt also mit dem Wechsel einzelner leiser Stimmen und dem kraftvollen Klang der ganzen Gemeinde. Quempas-Singen ist ein weihnachtlicher Rundgesang. Denn das ist das Besondere: Die verschiedenen Richtungen, aus denen gesungen wird, stehen für die vier Himmelsrichtungen der Erde. Die Bedeutung ist klar, der ganze Erdkreis besingt die Ankunft von Gottes Sohn.

Quempasgesang in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen

Im Laufe der Zeit ist eine Vielzahl an Quempasliedern entstanden. Neue Liedkombinationen wurden entwickelt und verbreiteten sich. Der Brauch des Quempassingens ist noch heute an vielen Orten ein fester Bestandteil der Advents- und Weihnachtszeit. Dabei werden Quempaslieder nicht nur in Kirchen, sondern auch auf Straßen und Plätzen gesungen. Traditionell gehört es an den Morgen des ersten Weihnachtstages. Manche Chöre singen ihre Quempaslieder in Kirchen, andere, während sie durch den Ort gehen. Wer Glück hat, hört also an den Adventssonntagen oder Weihnachtsfeiertagen in der Ferne jene himmlischen Klänge.

PS: Das lateinische Wort "Pastor" bedeutet übersetzt nichts anderes als Hirte. Und das Wort "Laudavere" im Lied Quem pastores laudavere kommt vom lateinischen Wort laudare für loben. Es ist eine poetische Kurzform von laudaverunt.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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