Stand: 11.02.2016 14:50 Uhr  | Archiv

Das Kirchenlexikon - Politik

von Andreas Brauns

"Man hört ja aus dem amerikanischen Vorwahlkampf, welchen Einfluss da bestimmte christliche Gruppierungen haben. Gibt es solche Gruppen in Deutschland auch?"

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Der Republikaner Donald Trump bemüht sich um konservative Evangelikale.

Auch bei uns tummeln sich in der Politik christliche Gruppierungen. In der vergangenen Zeit haben vor allem strenge und konservative christliche Gruppen am rechten Rand von sich reden gemacht. Sie ernennen sich mit anderen zu Verteidigern des christlichen Abendlandes.

Christliche Gruppen missionieren die Politik

Es ist so ähnlich wie in den USA: Dort etwa lehnen manche christliche Gruppen und Kirchen Fremde rigoros ab. Obwohl es in der Bibel in einem Wort Gottes an sein Volk Israel heißt: "Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen." (Exodus 23,9) Heute kämpfen in den USA Evangelikale, also bibeltreue Christen, für eine Gesellschaft nach christlichen Maßstäben. Sie begründen ihre strengen Lebensregeln mit der Bibel: sind gegen jede Form von Abtreibung und gegen Homosexualität. Einen Dialog mit anderen Religionen verweigern sie. Sie missionieren. Und mit dieser Einstellung gewinnen sie Einfluss in Politik und Medien. Ihre Kandidaten im amerikanischen Vorwahlkampf kämpfen gegen Christenverfolgung und für Gott und die Verfassung. Sie sind davon überzeugt: Eine Erweckung muss die Nation ergreifen.

Missbrauch von christlichen Symbolen

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Auf einer Demo in Dresden halten Pegida-Anhänger ein Kreuz hoch.

Christentum und Politik, das war in Deutschland lange nur ein Randthema. Doch jetzt steht Papst Franziskus in Rheinland-Pfalz ungefragt plötzlich mitten im Wahlkampf. Ausgerechnet die Partei "Die Linke" versucht durch Plakate mit Forderungen des Papstes Stimmen zu gewinnen. Auf Bildern von Pegida-Kundgebungen waren auch schon Kreuze in Schwarz-Rot-Gold zu sehen. So wird versucht, mit dem nicht geschützten Symbol der Christen auf der Straße das Abendland gegen Fremde zu verteidigen.

Und jetzt die AfD: Was sie fordert, überschneidet sich mit dem, was auch in einigen christlichen Kreisen gedacht wird: Homosexualität wird gegeißelt, die Gleichstellung der Geschlechter abgelehnt und die zahlreichen Flüchtlinge werden vor allem als Bedrohung gesehen. Als ob sie aus ihren Ländern geflohen sind, um das Christentum in Deutschland zu verdrängen.

Es ist erschreckend, wie diesseits und jenseits des Atlantiks vor allem fromme Christen offensichtlich anfällig sind für stramm autoritäres Denken.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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