Stand: 28.05.2020 17:46 Uhr

Pfingsten in Corona-Zeiten

von Landesbischof Ralf Meister

„Die Pfingstgeschichte der Bibel erzählt, dass viele Leute aus verschiedenen Ländern an einem Ort zusammen kamen. Aber das geht doch jetzt nicht. Wie können wir nun Pfingsten feiern? Das würde ich gerne von Landesbischof Ralf Meister wissen …“

Ralf Meister, Landesbischof von Hannover © EVLKA/Heiko Preller Foto: Heiko Preller
Nach Pfingsten spielte der Ort keine Rolle mehr, erläutert Ralf Meister.

In vielen älteren Luther-Übersetzungen wurde ein einziges Wort in der Pfingstgeschichte fett gedruckt. Es war das Wort "einem". Sie waren beisammen an einem Ort.

Für uns in Corona-Zeiten klingt das komisch. Wir bemühen uns möglichst nicht an einem Ort zusammen zu sein. Wir üben Kontaktvermeidung und halten Abstand, wechseln die Straßenseite. Damals aber, zu Pfingsten ging es um den einen Ort für Menschen aus der ganzen Welt. Ich stelle mir das als Großveranstaltung von Tausenden vor. Eng gedrängt. So wie Hurricane-Festival in Scheeßel. So etwas geht heute nicht. Und auch die Pfingstgottesdienste werden mit deutlichem Abstand zwischen den Besucher*innen gefeiert werden.

Das Pfingstgeschichte zeigt, der eine Ort, an dem das Wunder mit dem Geist geschah, war wichtig. Aber warum?

Durch den Geist vereint

Alle fragten sich damals, wie es mit dem Glauben an Jesus Christus weitergeht. Tot und auferstanden und in den Himmel entrückt; und nun? Es gab keinen Ort für sie als Gemeinschaft. Der Tempel war nicht der Ort der Christen, auch Jerusalem war es nicht. Doch überall wurden die Geschichten von Jesus erzählt. Die Frage blieb: Wo ist er? An welchem Ort? Wo ist der Heiland, der Retter, der Messias? Wo?

Das führt zu diesem fetten "einen Ort". Alle sollten zusammenkommen, um zu erfahren: Der Ort spielt keine Rolle mehr. Durch den Geist ist Christus überall anwesend. Das führt zu dem Paradox, dass die Christinnen und Christen einen Ort brauchten, um zu erfahren: Zukünftig können wir Jesus überall erleben.

Gottes Geist kennt keine Grenzen

Wenn wir heute auf dieses Ereignis schauen, stellen wir fest: Das Christentum ist längst eine weltumspannende Religion. Was lokal begrenzt begann, hat heute einen Ort: Das ist die ganze Welt.

Wenn wir in diesem Jahr Pfingsten feiern, sollten wir uns an diesen Geist erinnern, der keine Grenzen kennt. Der sich durch alle Kulturen oder Sprachen bewegt. Die Geschichte Gottes mit uns Menschen bringt uns zusammen, wo immer wir sind. Auch wenn wir nicht, so wie gewohnt, in großen Pfingstgottesdiensten uns in den Kirchbänken berühren können, so sind wir doch zusammen in seinem Geist. In der Bibel lesen wir: "Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, Halleluja, und der das All umfasst, kennt jede Sprache, Halleluja." (Weisheit 1,7)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 30.05.2020 | 09:20 Uhr

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