Sendedatum: 15.02.2020 09:20 Uhr

Das Kirchenlexikon - Pfarrer, Pastor, Priester

von Oliver Vorwald

"Pfarrer, Pastor, Priester. Gibt es da Unterschiede? Oder meinen alle drei Begriffe dasselbe? Ich bin gespannt."

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Talare sind die Amtstracht von Geistlichen.

"Moin, Herr Pestor." So haben mich die Menschen in meinen Gemeinden in Ostfriesland angeredet. Ganz gleich ob in Bagband, in Neuemoor, up dat Spetz oder in Ostgroßefehn. Wenn ich daran denke: Herrlich. Pastor, Peschtor - das klingt nach Zuhause, ja, und so richtig schön norddeutsch.

Pfarrer betreuen eine Gemeinde

Und tatsächlich, die Anrede "Pastor" oder "Pastorin" ist vor allem bei uns im Norden üblich. Beide Konfessionen machen das so. Im Süden wiederum grüßen evangelische und katholische Gemeinden ihre Seelsorger überwiegend mit "Herr Pfarrer" oder "Frau Pfarrerin". Aber diese regionalen Gepflogenheiten sind nur eine Seite dieser Geschichte. Es gibt noch eine rechtliche Dimension, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin: In einigen Kirchenverfassungen werden nur die Geistlichen "Pfarrer" genannt, die eine Gemeinde betreuen. Seelsorger ohne sind die Pastoren.

Pastor bedeutet so viel wie Hirte

Das Wort "Pfarrer" leitet sich übrigens von dem alten Begriff "Pfarre" her. Damit waren die Dörfer oder die Stadt gemeint, die ein Geistlicher als "Pfarrherr" zu versorgen hatte. Bliebe noch der Priester. Der ist überwiegend in der katholischen Kirche gebräuchlich. Die Weihe zum Priester markiert hier eine Station auf dem Weg zum Pfarrer. Allerdings hat auch Martin Luther den Priester-Begriff gebraucht. Stichwort: das "Priestertum aller Getauften". Er wollte damit sagen, dass alle Gläubigen das Evangelium weitergeben sollen. Nicht bloß die hauptamtlichen Pfarrer und Pastoren.

Der "Pastor" wiederum geht auf das Lateinische zurück und bedeutet "Hirte". Dieser Amtsbegriff erklärt sich aus der Bibel. Jesus nennt sich selbst "den guten Hirten" (Joh 10). Denn er gibt alles für seine Herde, auch für die verlorenen Schafe (Lk 15,4-7). So erklärt sich übrigens auch, weshalb die Gläubigen hin und wieder "Schäfchen" genannt werden. Und das gilt deutschlandweit. An der Küste, in der Heide, am Rhein und auf den Bergen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 15.02.2020 | 09:20 Uhr