Papst Franziskus winkt während des Angelus-Mittagsgebets aus seinem Atelierfenster mit Blick auf den Petersplatz. © dpa-Bildfunk/Gregorio Borgia/AP/dpa Foto: Gregorio Borgia

Papst veröffentlicht Enzyklika "Fratelli tutti"

Sendedatum: 17.10.2020 09:15 Uhr

In seinem dritten Lehrschreiben entwirft Papst Franziskus eine Vision von einer besseren Welt. Das Oberhaupt der Katholiken macht sich Sorgen um die Menschheit vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

von Andreas Brauns

Das päpstliche Rundschreiben, die "Enzyklika", richtet sich an die ganze Kirche. Die ersten Worte "Fratelli tutti", "Brüder sind wir alle", hat sich der Papst geliehen vom Heiligen Franz von Assisi. In dem Zitat werden Schwestern nicht genannt, obwohl dieser Papst sie mit meint: "Geschwister sind wir alle".

Päpstliche Rundschreiben gibt es seit dem 18. Jahrhundert. In den über 100 Enzykliken, die bisher veröffentlicht wurden, ging es meist um Fragen des Glaubens, um Moral und soziale Themen. Mit einer Enzyklika bringt der Papst seinen Standpunkt in gesellschaftliche Diskussionen ein. Und mit seinen Argumenten sollten sich katholische Frauen und Männer zumindest auseinandersetzen.

Papst Franziskus sorgt sich um die Menschheit

In seinem dritten Lehrschreiben entwirft Papst Franziskus seine Vision von einer besseren, solidarischen Welt. Der Papst macht sich ernsthafte Sorgen um die Menschheit, die durch die Corona-Pandemie zum Umdenken gezwungen wird. Vieles ist fragwürdig geworden. Und viele Menschen erkennen: Wir sind eine weltweite Gemeinschaft in einem Boot. Doch ein gemeinsames Handeln ist erst in Ansätzen zu erkennen.

Vermehrt herrschen dagegen Populismus, Nationalismus und Egoismus. Einstellungen, die weit entfernt sind von der päpstlichen Vision einer "geschwisterlichen Gesellschaft", einer "offenen Welt" ohne Mauern, dafür mit "humanitären Korridoren" für Menschen, die auf der Flucht sind vor Chaos, Armut, Terror, Krieg und Naturkatastrophen.

Aufruf zu Dialog der Religionen

Auf den 150 Seiten der Enzyklika spricht der Papst, der sich auffallend häufig selbst zitiert, vieles mehr als nur einmal an. Er ruft auch auf zum Dialog der Religionen. Ist er doch überzeugt davon: "Gottes Liebe ist für jeden Menschen gleich, unabhängig von seiner Religion." Wer das glaubt, kann Andersgläubigen nur begegnen als Schwester oder Bruder. Nicht um sie zu bekehren, sondern um den Dialog zu suchen, der den eigenen Horizont erweitert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 17.10.2020 | 09:15 Uhr

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