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von Andreas Brauns

Immer wieder hört man von besonderen heiligen Orten: Etwa Santiago de Compostela. Dorthin pilgern viele Menschen. Warum - und seit wann gibt es diesen Pilgerweg?

Ein Freund von mir ist schon als Kind zum Wallfahrtsort Rulle bei Osnabrück gegangen. Jedes Jahr zwei Kilometer zu Fuß von Osnabrück aus. Als Jugendlicher ist er dann nach Telgte bei Münster gepilgert. Zusammen mit Tausenden von jungen und älteren Menschen: 45 Kilometer. Da war der Weg das Ziel! Diese Wege und die beiden Orte Rulle und Telgte wurden für ihn wichtig als Zeiten und Orte des Gebets.

Solche Wege und Orte gibt es auf der ganzen Welt. Santiago de Compostela ist nur einer davon. Und mehrere sogenannte Jakobuswege führen dorthin - quer durch Europa. Menschen pilgern seit mehr als tausend Jahren zum Grab des Apostels Jakobus, nach Santiago. Hier, in Nordspanien, soll der Apostel der Legende nach bestattet sein. An seinem Grab haben Menschen gebetet und beten heute noch - um Hilfe und Beistand. 

Seit mehr als 30 Jahren blüht die Wallfahrt nach Santiago wieder auf. Über 100.000 Menschen aus der ganzen Welt machen sich Jahr für Jahr auf den Weg zum Apostelgrab. Sie suchen und hoffen Antworten zu finden - unterwegs oder in der mächtigen Kathedrale von Santiago.

Was suchen die Leute in Santiago oder auf dem Weg dorthin? Was können Sie finden?

Die Menschen, die sich aufmachen, stehen oft an einer Lebenswende. Sie wollen Klarheit für anstehende Entscheidungen. Sie machen sich auf den Weg nach Santiago, weil sie den Erfahrungen trauen, die andere vor ihnen gemacht haben. Und dann erleben auch sie: Die unsäglichen Anstrengungen des Weges machen mich ganz leer. Unterwegs vertrauen viele darauf: Es sind die Herausforderungen des Weges, die mich verändern. Andere glauben an den Beistand des Heiligen Jakobus. Vor einigen Jahren machte sich auch der Entertainer Hape Kerkeling auf. In dem Buch "Ich bin dann mal weg" hat er von seinem Pilgerweg erzählt. Auch von seinen inneren Erfahrungen.

Am Ende des Weges sind viele Pilger körperlich völlig geschafft, doch sie haben Antworten gefunden auf ihre Lebensfragen. Sie haben sich eingelassen auf den Weg, sind leer geworden und damit offen für spirituelle Erfahrungen, offen für Gott.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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