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von Andreas Brauns

"Warum heißt der Sonntag vor Ostern 'Palmsonntag'. Hat dieser Sonntag vor Ostern eine besondere Bedeutung oder nur einen besonderen Namen?"

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In Jerusalem pilgern Menschen traditionell mit Palmwedeln vom Ölberg in die Altstadt.

Der sechste Sonntag in der Fastenzeit hat nicht nur einen besonderen Namen. Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche der Christen, die Stille Woche, die Karwoche. In den Gottesdiensten am Palmsonntag wird daran erinnert, wie Jesus vor 2.000 Jahren in Jerusalem einzog. In den Evangelien ist nachzulesen: Er ritt auf einem Esel. Und viele Menschen in der Stadt breiteten ihre Kleider aus auf dem Weg. Rissen Zweige von Büschen und Bäumen ab, darunter eben auch Palmen, und legten sie auf den staubigen Weg.

An Jesus' Triumphzug erinnern ...

Das erinnert an den roten Teppich, der noch heute bei besonderen Anlässen verlegt wird. Damals waren die Menschen in Jerusalem überzeugt: der Mann auf dem Esel, das ist nicht irgendwer. Der Mann aus Nazareth ist eine besondere Persönlichkeit, mehr noch, ein Prophet. Er wird es womöglich mit den römischen Besatzern aufnehmen. Auf ihn setzten viele ihre Hoffnung. Und so riefen sie: "Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!"

Der Einzug erinnert an einen Triumphzug ganz eigener Art. Dieser Einzug in Jerusalem wird in vielen Gottesdiensten am Palmsonntag nachgestellt: Man trifft sich in der Regel vor der Kirche. Weil es in unseren Breiten keine Palmen gibt, haben die Leute meist Buchsbaum- oder auch Weidenzweige in den Händen. Sie werden gesegnet. Dann wird aus der Bibel gelesen, was sich damals in Jerusalem ereignet hat.

... aber auch an seine Leidensgeschichte

Danach zieht die Gemeinde in einer Prozession in die Kirche, um den Gottesdienst weiter zu feiern. Zu dieser Prozession gehörte früher ein Palmesel aus Holz, auf dem eine geschnitzte Jesusfigur saß. Der Esel wurde auf einen kleinen Wagen montiert, den man durch die Straßen ziehen konnte. In vielen Museen sind diese Meisterwerke der Schnitzkunst noch heute zu bewundern.

Im Palmsonntagsgottesdienst wird die gesamte Leidensgeschichte Jesu gelesen. Und so erinnert an das, was sich in den letzten Tagen seines Lebens ereignet hat. Wie Jesus verhaftet wurde und schließlich am Kreuz starb. Aus dem Gottesdienst nehmen die Gläubigen die Buchsbaum- oder Weidenzweige mit in ihre Wohnungen. Dort werden sie oft hinter ein Kreuz an der Wand gesteckt. Früher galt das als Schutz gegen Hagelschlag oder Blitz. Heute erinnern die Zweige das ganze Jahr über an das Leiden Jesu.   

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