Stand: 01.02.2018 09:00 Uhr

L / M / N

von Andreas Brauns

Auf meinem Kalender steht am 2. Februar "Mariä Lichtmess". Was heißt das? Wird das irgendwo gefeiert?

Ja, in der katholischen Kirche - mit einem besonderen Gottesdienst. In ihm wurden früher die Kerzen geweiht, die eine Familie das Jahr über brauchte. Darum gab es Anfang Februar Wachs- und Kerzenmärkte: Lichtermessen.

Ende der Weihnachtszeit

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Eine Kerzenweihe gibt es in der katholischen Kirche nur noch selten.

Alles das ist Vergangenheit - und auch die Kerzenweihe gibt es heute nur noch selten. Aus dem Alltag ist das Fest "Mariä Lichtmess" seit vielen Jahren verschwunden. Früher stand bis zum 2. Februar der Christbaum in den Wohnungen. "Mariä Lichtmess" markierte das Ende der Weihnachtszeit. In manchen Kirchen steht die Krippe nach wie vor bis zum 2. Februar. Das ist der 40. Tag nach Weihnachten. Jedenfalls überall dort, wo Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird.

Maria, die Mutter Jesu, durfte gemäß der jüdischen Tradition 40 Tage nach der Geburt ihres Sohnes den Tempel nicht betreten. Sie galt als kultisch unrein. Aber nach dieser Frist musste sie im Tempel ein Opfer für ihre Reinigung darbringen. Außerdem galt der erstgeborenen Sohn eines Paares als Gottes Eigentum. Seine Eltern mussten ihn durch ein Opfer auslösen - so die Tradition. Also machen sich Maria und Josef mit ihrem Kind auf zum Tempel in Jerusalem.

Jesus steht jetzt im Mittelpunkt

Während der Zeremonie, der sogenannten Darstellung Jesu, geschieht etwas Merkwürdiges: ein alter Mann, Simeon, und die Prophetin Hanna erkennen in Jesus "das Licht, das die Heiden erleuchtet". Die beiden alten Menschen sind sicher: Dieses Kind ist der Retter Israels. Der 40. Tag nach Weihnachten heißt darum auch "Darstellung des Herrn". Vor gut 40 Jahren hat die katholische Kirche diese neue Bezeichnung eingeführt. Jesus steht im Mittelpunkt des Festes, nicht Maria. Im Volksmund aber ist der 2. Februar nach wie vor "Mariä Lichtmess" - und so steht diese Bezeichnung auch noch in einigen Kalendern.

Übrigens: In Jerusalem wurde das Fest bereits im 4. Jahrhundert gefeiert. Um das Jahr 450 lässt eine vornehme Frau an der Straße von Jerusalem nach Bethlehem eine Kirche bauen, die Maria geweiht ist. Und 40 Tage nach dem Weihnachtsfest gibt es von dieser Kirche aus eine Lichterprozession nach Jerusalem. Diese Prozession erklärt zum Teil den Namen des Festes. In Rom wird es erst 300 Jahre später gefeiert. Und die Lichterprozession ist da vermutlich die Gelegenheit für die Kirche, einen heidnischen Fackelzug Anfang Februar zu verdrängen.

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