Stand: 07.12.2018 10:45 Uhr

Das Kirchenlexikon - Mariä Empfängnis

von Andreas Brauns

"Ich weiß, die katholische Kirche ist bekannt für ihre vielen Marienfeste. Aber was bitte bedeutet das Fest Mariä Empfängnis?"

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Am 8. Dezember ist der Geburtstag von Maria, der Mutter Jesu.

Was Mariä Empfängnis bedeutet, ist selbst vielen Katholiken unklar. Manche vermuten, dass das Fest am 8. Dezember an die Empfängnis Jesu durch den heiligen Geist erinnert. Also an den Satz aus dem Glaubensbekenntnis der Christen: "empfangen durch den Heiligen Geist".

Die Gottesmutter ist ohne Sünde

Doch darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass Maria empfangen wurde. Das wird deutlich beim vollständigen Namen des Festes - "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria". Sie, die spätere Mutter Jesu, deren Geburtstag am 8. September gefeiert wird, ist ohne jede Sünde. Von Anfang an. Das wird von keinem Menschen sonst behauptet. Interessant ist, dass die Kirche über viele Jahrhunderte ohne diesen Glaubenssatz ausgekommen ist. Erst Papst Pius IX. hat das geändert, am 8. Dezember 1854. In einer Bulle, also einer päpstlichen Urkunde, hat er einen neuen Glaubenssatz aufgestellt: "Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk des allmächtigen Gottes vor jedem Makel der Erbschuld bewahrt."

Pius IX. war sich seiner Sache ganz sicher und hat alle Katholiken auf diesen Glaubenssatz verpflichtet. Obwohl in der Bibel nichts davon steht. Und der Papst damals noch gar nicht als unfehlbar galt. Das wurde erst 16 Jahre später auf einem Konzil festgelegt.

Weitere Informationen

Das Kirchenlexikon - Marienfest

Am 8. Dezember ehren Katholiken die Jungfrau Maria. Es ist ein Hochfest, ein Tag von ganz besonderer Bedeutung. Denn Gott hat Maria vor Sünde bewahrt, um die Mutter Jesu zu sein. mehr

Wurzeln des Marienfests

Mit dem Lehrsatz von der ohne Erbsünde empfangenen Maria wurde die Mutter Jesu zu einem einzigartigen Menschen. Für manche wurde sie damit quasi in die göttliche Sphäre erhoben: befreit von der Erbsünde, die sonst allen zu schaffen machte. Das Marienfest heute hat seine Wurzeln um das Jahr siebenhundert. Damals gab es in der byzantinischen Kirche ein Fest der "Empfängnis der heiligen Anna". Sie gilt als Mutter der Maria. Als dieses Fest 1.000 Jahre später auch in der gesamten römischen Kirche eingeführt wurde, da spielte die Mutter der Maria schon fast keine Rolle mehr. Es ging jetzt um die Tochter und ihre besondere Stellung weit weg von den sündigen Menschen und nah beim allmächtigen Gott.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.12.2018 | 09:15 Uhr