Stand: 03.05.2018 11:00 Uhr

Das Kirchenlexikon - Klosterkammer

von Michel Zschörnig

"Wieder ein Jubiläum. 200 Jahre Klosterkammer Hannover. Worum geht es da?"

1542 herrscht helle Aufregung in den Klöstern des Fürstentums Calenberg-Göttingen. Die Beamten von Herzogin Elisabeth ziehen durchs ganze Land, klopfen an Tür und Tor. Die Fürstin will die Einnahmen der Klöster erfassen. Die sollen dann zu einem guten Teil, wie von Martin Luther vorgeschlagen, für "fromme Zwecke" verwendet werden. Mit dieser Maßnahme entstehen die ersten schriftlichen Aufzeichnungen der Klosterkammer.

Fürsten legen einen Fond an

Die Klosterkammer in Hannover © ChristianSchd Foto: Christian A. Schröder (ChristianSchd)
Die Klosterkammer gehört zum Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Soweit Elisabeth von Calenberg-Göttingen. Eine weitere wichtige Station auf dem Weg zur Klosterkammer Hannover bildet der Dreißigjährige Krieg. Damals ziehen Soldaten auch durch Niedersachsen. Die Landsknechte plündern, morden, entvölkern ganze Regionen. Sie machen auch vor den Klöstern im Göttinger Raum nicht Halt. Deren Vermögen fällt so an den Fürsten. Der überführt es in einen Fonds und setzt es unter anderem für die Universität Helmstedt ein.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts regiert Kurfürst Georg Ludwig beziehungsweise "Georg I." von Hannover und England. Unter seiner Regentschaft taucht 1718 erstmals der Begriff "Klosterkammer" auf. Die eigentliche Gründung erfolgt 100 Jahre später. Am 8. Mai 1818 ruft der spätere Welfen-König Georg IV. die Klosterkammer ins Leben. Als eigenständige Behörde mit Sitz in Hannover.

Vermögen durch Landbesitz

Die Klosterkammer Hannover wird am 8. Mai dieses Jahres 200 Jahre alt. Als Landesbehörde wird sie heute vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur beaufsichtigt. 20 Klöster und Stifte gehören ihr an. Einen Großteil ihres Vermögens macht Landbesitz aus. Die Klosterkammer zählt zu den größten Erbbaurechtgebern in Deutschland. Sie verwaltet ihr Vermögen in Stiftungen und betreibt verschiedene Unternehmen. Die Gewinne werden wie vor fast 500 Jahren zur Erhaltung von kirchlichen Gebäuden und für gemeinnützige Zwecke wie die Förderung von Gemeinschaftsreisen für seelisch behinderte Menschen verwendet.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 05.05.2018 | 09:15 Uhr

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