Sendedatum: 27.04.2019 09:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - K wie Konfessionsgebiete

von Michel Zschörnig

Ostfriesland ist evangelisch, das Emsland katholisch. Wie kommt es eigentlich zu solchen konfessionell geprägten Gebieten?

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Die Kapelle im Kloster Clemenswerth im Emsland. Hier waren Mönche berufen worden, im Zug der Gegenreformation den katholischen Glauben zu vertiefen.

Weite Felder, sanfte Berge, jede Menge Wegkreuze - das gehört zum Eichsfeld. Die Region bildet neben dem Emsland eine der katholischen Hochburgen im Norden. Der Landstrich gehört hauptsächlich zu Thüringen, doch ein Teil davon liegt auch in Niedersachsen. Rund 70 Prozent der Eichsfelder sind katholisch. Die Gegend ist so katholisch, dass 2011 sogar der Papst vorbeischaut: "Ich habe seit meiner Jugend so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich dachte, ich muss es einmal sehen und mit euch zusammen beten. So katholisch wie heute, ging es nicht immer im Eichsfeld zu."

In der Reformationszeit werden fast alle Eichsfelder zunächst evangelisch. Aber dem Herrscher der Region, Daniel Brendel von Homburg, gefällt das gar nicht. Er ist der Bischof von Mainz und katholisch. 1574 reist er ins Eichsfeld. In seinem Gefolge: Jesuiten. Sie sollen in den Kirchen predigen und die Gegend zur katholischen Kirche zurückholen. Brendel wirft die evangelischen Geistlichen aus den Kirchen und lässt eine Gegenreformation durchführen. Sein Plan geht auf. Fast alle Eichsfelder werden wieder katholisch. Daran kann 200 Jahre später nicht einmal die Herrschaft der evangelischen Preußen etwas ändern.

Herrscher entscheidet über Religion

Einen ähnlichen Prozess erlebt das Emsland im Nordwesten von Niedersachsen. Auch hier findet die protestantische Lehre zunächst viele Anhänger. Im 17. Jahrhundert lässt der katholische Landesherr dann eine Gegenreformation durchführen. Dabei kann er sich auf folgenden Grundsatz berufen: "Cuius regio, eius religio - Wessen Gebiet, dessen Religion". Diese Worte stammen aus dem Augsburger Religionsfrieden von 1555. Nach dieser Regelung der Reformationszeit entscheidet der Herrscher über die religiöse Ausrichtung seiner Untertanen.

Eichsfeld und Emsland werden katholisch geprägt, weil ihre katholischen Landesherren es damals so bestimmt haben. Freier geht es da bei den Ostfriesen zu. Die Landesherren lassen die Gemeinden ihre Konfession frei wählen. Hier gewinnt die lutherische und reformierte Lehre viele Anhänger. In einigen Regionen gehören dort heute bis über 70 Prozent zur evangelischen Kirche.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 27.04.2019 | 09:15 Uhr