Stand: 26.02.2019 12:45 Uhr

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von Andreas Brauns

"Gehören die Fastenzeit der Christen und die närrischen Tage davor eigentlich unmittelbar zusammen? Ist also Fasten nur zu ertragen, wenn vorher noch mal so richtig gefeiert wird?"

Diese Frage dürfte zu heißen Diskussionen führen. Nach dem Motto: erst noch mal richtig sündigen, dann bekehren und fasten. Es gibt allerdings tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Karneval und dem Christentum. Denn vor allem in katholischen Gegenden gehört der Karneval einfach dazu.

Vorgänger: Ausnahmesituationen

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Auch schon vor 5.000 Jahren wurden Vorläufer des Karnevals gefeiert.

Vorläufer des Karnevals wurden schon vor mehr als 5.000 Jahren gefeiert. Es gab in verschiedenen Kulturen ausgelassene Feste mit öffentlichen Gelagen, bei denen die da oben und die da unten gleichgestellt waren. Sozusagen Ausnahmesituationen. So eine Ausnahmesituation sind auch die Tage vor dem Beginn der Fastenzeit: 40 Tage vor Ostern, in denen sich Christen vorbereiten sollen auf das höchste Fest im Jahr. Weil es früher nicht die Möglichkeit gab, Speisen lange aufzubewahren, musste vor der großen Fastenzeit noch einmal richtig geschlemmt werden. Sonst wären die guten Dinge umgekommen. Das ist aber nur eine Begründung für die tollen Tage.

Die Kirche duldet die "Herrschaft des Teufels"

Eine andere ist das Werk des großen Gelehrten Augustinus. "De civitate dei": vom Gottesstaat. Dieser Staat hebt sich ab von seinem Gegenteil: dem Staat des Teufels. Und dieser Staat ist an Karneval oder Fastnacht unübersehbar. Mit all dem gotteslästerlichen Tun und Treiben. Immer wieder hat man versucht, das tolle Treiben zu verbieten. Mit wenig Erfolg. Und dann hat die Kirche hat die ausartenden Feste geduldet, um so deutlich machen zu können: Der Staat des Teufels ist so vergänglich wie die Menschen selbst. Am Ende wird sich Gottes Staat durchsetzen.

Karneval verliert besondere Bedeutung

Darum war am Aschermittwoch die Herrschaft des Teufels vorbei. Man könnte fast sagen, durch das tolle Treiben vorher war die Umkehr zu Gott noch radikaler. Mit Fasten und Gebeten bereiteten sich die Christen auf Ostern vor. Für die Reformation waren die Fastenwochen vor Ostern unsinnig. Denn Fasten war ein Werk, ein Tun des Menschen, das keine Bedeutung für seinen Glauben hatte. Dadurch verlor auch Karneval seine besondere Bedeutung.

Heute hat sich Karneval an vielen Orten gelöst aus der engen Verbindung zur christlichen Tradition. Doch nach wie vor wird vor allem in katholisch geprägten Gegenden Karneval als Ausnahmesituation gefeiert. Und Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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