Stand: 18.07.2018 10:30 Uhr

Bach suchte das Göttliche in der Musik

von Oliver Vorwald

"Der fünfte Evangelist - so nennen manche Fans den Komponisten Johann Sebastian Bach. Warum? Woher kommt dieser Ausspruch?"

Komponist, Pianoman, Cellovirtuose - und zwar einer der allergrößten. Das deutet schon sein Wappen an. Eine schwebende Krone. Darunter - kunstvoll ineinander verschlungen - die Initialen "JSB". Johann Sebastian Bach, "König der Harmonien", so nennt ihn Goethe. Auch Mozart kommt bei ihm ins Schwärmen, Beethoven, Wagner. Ähnlich sehen das moderne Musiker. Etliche Bands der Pop- und Rockszene bedienen sich an Bachs Melodien.

Bachs Herz schlägt für Kirchenmusik

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Rührte auch Religionskritiker zu Tränen: Johann Sebastian Bach.

Die Melodie von "Lady Lynda" der Beach Boys geht zurück auf den Choral "Jesus bleibet meine Freude". Er gehört weltweit zu beliebtesten Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Sein Herz schlägt vor allem für Kirchenmusik. Die Weihnachtsgeschichte, die Passion Jesu, das treibt ihn um. Diese Leidenschaft hat vermutlich etwas mit seiner Herkunft zu tun. Bach wird am 21. März 1685 in Eisenach geboren. Über der Stadt thront die Wartburg. Dort hat Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. Die Familie von Bach liebt und lebt Musik. Fast alle Brüder, Cousins, Onkel arbeiten als Kantoren und Organisten.

Glaube in Form von Musik

Schon als Kind lernt Johann Sebastian mehrere Instrumente, studiert intensiv Kompositionen und Orgelwerke. Er schreibt sie ab, Note um Note. So taucht er tief ein in die Physik der Melodien, die Kunst der Harmonie, wird ein Meister. Was Worte nicht fassen können, das Geheimnis des Glaubens, Bach gießt es in Musik. Und zwar derart, dass auch ein religionskritischer Geist wie Nietzsche zu Tränen gerührt ist. "Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium." Wohl deshalb bezeichnet der schwedische Bischof Söderbloem Bachs Musik als fünftes Evangelium.

Procol Harum, "A Whiter Shade of Pale". Auch hier klingt Bach an, das "Air", ein weltliches Stück. Er kann eben alles. Sein Herz aber gehört der Kirchenmusik. Und das zeigt Bach aller Welt. Fast alle seine Kompositionen unterschreibt er mit den schwungvollen Buchstaben, SDG. Das Kürzel steht für "Soli Deo Gloria, allein Gott die Ehre". Bach will die Schönheit dieser Welt zu Gehör bringen. Die hat für ihn mit Gott zu tun. Insofern ist die Musik von Johann Sebastian Bach tatsächlich ein musikalisches Evangelium.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 21.07.2018 | 09:15 Uhr