Eine aufgeschlagene Bibel liegt auf einem Altar. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

Das Kirchenlexikon - Der "wahre Jakob"

Sendedatum: 10.10.2020 09:15 Uhr

Schon Albert Einstein hat die bekannte Redewendung vom "wahren Jakob" verwendet. Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter dieser biblischen Figur?

von Oliver Vorwald

"Das ist aber nicht der wahre Jakob." Mein Vater sagte das früher manchmal. Beim Nato-Doppelbeschluss, der Schmach von Córdoba bei der WM 1978, meinem Schulstreich mit der Stinkbombe. Wenn also irgendetwas nicht so war, wie es zu sein hatte, dann hörte ich vom "wahren Jakob". Lange Zeit war mir gar nicht klar, dass mein Vater damit eine Redewendung mit biblischem Fundament benutzte. Die hat übrigens auch der große Albert Einstein gebraucht, 1926 in einem Brief an Max Born.

Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. 

Der "wahre Jakob" beruht auf zwei Varianten

Zur Herkunft dieser Redewendung gibt es zwei Varianten. Da wäre zunächst die Geschichte über das Zwillingspaar Jakob und Esau, die ungleichen Brüder. Esau, der Erstgeborene, Jakob nur wenige Minuten jünger - dafür listenreich. Um dennoch den Erstgeborenen-Segen zu bekommen, führt Jakob seinen Bruder und seinen Vater hinters Licht. Und so etwas tun ordentliche Söhne eben nicht, deshalb der mahnende Ausspruch über den "wahren Jakob". Denn wer der Wahrheit verpflichtet ist, betrügt nicht. Pate der Redewendung könnte aber auch ein ganz anderer Jakob sein. Und zwar der, über den Entertainer Hape Kerkeling in seinem Roman "Ich bin dann mal weg" berichtet ...

Die Wanderung wird mich über die Pyrenäen, quer durch das Baskenland, Kastilien, Galizien nach 800 Kilometern direkt vor die Kathedrale von Santiago de Compostela führen. In welcher sich der Legende nach das Grab des Apostels Jakob befindet, des großen Missionars der iberischen Völker.

Jakobus der Ältere war einer der ersten Jünger Jesu. Der Legende nach, starb er den Märtyrertod. Seine Freunde legten den Leichnam in ein Boot, das übers Meer bis nach Nordspanien trieb, heißt es in Santiago de Compostela. Es hat im Mittelalter aber auch andere Städte gegeben, die behaupteten, dass bei ihnen die Gebeine von Jakobus bestattet wären. "Hier ist er eben nicht, der wahre Jakob." So könnte die Redewendung auch entstanden sein. Aber ob nun Jakob und Esau oder Jakobus der Ältere. In jedem Fall dreht sich die Redewendung um eine besondere biblische Figur.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.10.2020 | 09:15 Uhr

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