Stand: 27.04.2017 10:15 Uhr  | Archiv

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von Andreas Brauns

"Was unterscheidet eigentlich den heiligen Zorn vom ganz alltäglichen Zorn? Ist Zorn nicht immer so etwas wie ein emotionaler Ausnahmezustand?"

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Zorn kann eine Vorstufe von Gewalt sein.

Zorn ist sicher immer ein emotionaler Ausnahmezustand. Und Ärger, Wut und Zorn dienen nicht gerade dem Leben. Ärger frisst Menschen regelrecht auf. Und zornige Personen werden, wenn sie ihren Zorn nicht im Griff haben, gewalttätig. Zorn ist also nicht ohne.

Für eine größere Sache brennen

Das gilt auch für den heiligen Zorn. Der wird manchmal zwar als Tugend angesehen, allerdings kann auch er in Gewalt umschlagen. So geht Jesus in Jerusalem in den Tempel und vertreibt dort die Händler. Nicht nur mit Worten, nein mit einer selbstgebastelten Geißel geht er auf die Männer los, schüttet das Geld der Wechsler aus, stößt die Tische um. Die Jünger erklären sich das Verhalten ihres Herren mit einem alten Schriftzitat: "Der Eifer für dein Haus verzehrt mich."

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Papst Franziskus sprach deutliche Worte gegen die Verhältnisse in einigen griechischen Flüchtlingslagern.

Womit wir beim heiligen Zorn wären. Es gibt diese Art von Zorn, der brennt für eine größere Sache. Der heilige Zorn brennt für Gott und Gerechtigkeit auf Erden und benennt das Unrecht. Das hat auch Papst Franziskus vor wenigen Tagen gemacht, als er im Zusammenhang mit einigen Flüchtlingslagern an Konzentrationslager erinnerte. Viele waren entsetzt, denn solche deutlichen Worte wirken fehl am Platz. Doch der Papst ist jemand, der seinem heiligen Zorn Luft macht.

Heiliger Zorn kann positive Energien freisetzen

Der heilige Zorn richtet sich nicht gegen Menschen. Er ist ganz anders als der politische Protest, der sich häufig aus reiner Wut speist, die schnell in Gewalt umschlagen kann. Im Idealfall führt heiliger Zorn dazu, sich nicht nur über eine ungerechte Sache zu ärgern, sondern sich dafür einzusetzen, sie zu beseitigen. Sie deutlich zu benennen, aktiv zu werden und selbst barmherzig zu handeln. Oder andere zum Handeln zu bewegen. Heiliger Zorn kann also wertvoll sein, weil er Energien freisetzt, die dazu beitragen können, endlich etwas zu verändern. Der Ärger wird beim heiligen Zorn in positive Energie umgewandelt. Das unterscheidet den heiligen Zorn von seinem ganz alltäglichen Bruder.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 29.04.2017 | 09:15 Uhr

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