Sendedatum: 06.06.2020 09:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - Gottesdienst in Corona-Zeiten

von Andreas Brauns

"Stell dir vor, es ist Gottesdienst und keiner geht hin. Dieser Spruch geht mir durch den Kopf. Denn warum gibt es jetzt keinen Run auf Gottesdienste in Kirchen, wo die doch endlich wieder erlaubt sind?"

Eine weinender Engel sitzt neben einer brennenden Kerze. © Kirche im NDR / Christine Raczka Foto: Christine Raczka
Gottesdienste finden während der Corona-Krise nur in eingeschränkter Form statt.

Warum Gläubige noch nicht wieder in die Kirchen strömen, dafür gibt es vermutlich viele Gründe. Einer dürfte sein: Der Gottesdienst hat sich verändert. Niemand kann einfach so hingehen. Ich muss mich vorher anmelden, um dann mit wenigen anderen Personen feiern zu können. Wer eine Kirche betritt, sieht deutliche Hinweise, wie sich die kleine Gemeinde im großen Raum zu verteilen hat. Ein Gefühl von Gemeinschaft kommt so kaum auf. 

Corona-Krise: Singen ist in Gottesdiensten nicht möglich

Außerdem - die gewohnte Gottesdienstform gibt es nicht mehr. Zwar werden biblische Texte gelesen, doch gemeinsames Singen ist unmöglich. Es bleiben nur Gebete und das Sprechen von Liedtexten. Aber dafür in die Kirche gehen? Beten ist auch daheim möglich. Manche haben das in den vergangenen Wochen auch ausprobiert. Als die Kirchen nur für das persönliche Gebet geöffnet waren, gab es im Internet und in Kirchenzeitungen eine Fülle von Anregungen für das Beten in den Wohnungen und Häusern. Mit gebührendem Abstand konnten sich Gemeindemitglieder so - in Gedanken - zusammenschließen. Viele haben auch die Gottesdienste mitgefeiert, die im Fernsehen übertragen wurden, im Radio oder im Internet. Andere haben die Gottesdienste gar nicht vermisst.

Neue Form von Gottesdiensten ist entstanden

Jetzt können Gläubige zwar wieder in die Kirchen gehen, doch nicht überall wird die Heilige Messe gefeiert, in der es die Kommunion gibt, also Christus in der Gestalt des Brotes. Kirchengemeinden, die jetzt andere gottesdienstliche Formen ausprobieren, machen die Erfahrung: Es kommen zunächst nur wenige, weil der katholische Gottesdienst nun mal die Heilige Messe ist. Das aber könnte sich ändern, wenn die Gemeinden einen langen Atem haben und sich herumspricht, wie schön es sein kann, einen Gottesdienst ohne die gewohnte Routine zu feiern. 

In der Corona-Krise haben manche Kirchennahe und Kirchenferne auch eine Form des Gottesdienstes für sich entdeckt, in der nicht Lieder, Gebete und Bibeltexte im Mittelpunkt stehen, sondern ein Mensch, der Hilfe braucht und Zuwendung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 06.06.2020 | 09:15 Uhr

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