Fenster umgeben von zweierlei Vorhängen und Gardinen © Pixabay Foto: Manfred Antranias Zimmer

Das Kirchenlexikon: Gardinenpredigt

Sendedatum: 27.02.2021 09:15 Uhr

Welches Kind kennt sie nicht, wenn es zu spät nach Hause gekommen ist - die Standpauke‚ auch Gardinenpredigt predigt? Und wie lautet die Geschichte zu dieser Redewendung?

von Pastor Oliver Vorwald

Eine waschechte Gardinenpredigt. Die gibt's bei meiner Bergtour um den Wilden Kaiser in Tirol. Und zwar gesungen, in Mundart, zur Harfe. Auf einer Bank vor der Hütte der Steiner Hochalm sitzt der alte Wirt, greift in die Saiten. Rote Pausbacken, kariertes Hemd, auf dem Tisch ein Glas Bier. Sein Lied erzählt die Geschichte einer Sauftour, vom Nachhause-Kommen spät nachts und dem, was dann los ist ... 

Gardinenpredigt als Strafrede gab es schon im MIttelalter

Sturm, Wind, eine ordentliche Standpauke der Ehefrau für den sturztrunkenen Gatten. Genau das umschreibt der Begriff "Gardinenpredigt", der erstmals für das 18. Jahrhundert belegt ist. Damals sind die Ehebetten mit Vorhängen umgeben, auf Niederländisch heißen sie "gordijn (sprich: cho'dein)". Diese Gardinen sollten das Paar vor Kälte schützen und ihm in einem Großfamilienhaushalt etwas Privatsphäre verschaffen. Die "Gardinenpredigt" meint also den Ehekrach unter vier Augen, im abgeschirmten Bereich. Das Wort "Predigt" wird übrigens bereits im Mittelalter im Sinne von Donnerwetter und Strafrede gebraucht. Damals ziehen sogenannte Bußprediger durchs Land, sie versuchen den Menschen ins Gewissen zu reden, drohen mit Höllenqualen. Dabei meint "Predigen" eigentlich etwas anders. In einigen Bibelversen klingt das an. 

Das Evangelium muss unter allen Völkern gepredigt werden (Mk 13,10). ... So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi (Röm 10,17). Bibelzitat

Predigen im Sinne von Loben und Rühmen

Das Wort "Predigt" stammt aus dem Lateinischen, bedeutet: rühmen, preisen, loben. Predigen im engeren Sinne meint, von den Liebestaten Gottes zu erzählen. Diese Form der religiösen Rede weckt den Glauben, schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief. Deshalb übrigens macht Martin Luther die Predigt mit der Reformation zum Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 27.02.2021 | 09:15 Uhr

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