Sendedatum: 29.08.2020 09:15 Uhr

Kein einfaches "Weiter so" bei den Kirchen

von Andreas Brauns

"Wo man auch hinschaut, die Kirchen in ihrer heutigen Form verlieren an Bedeutung. Sie werden nicht mehr gebraucht. Viele jammern darüber. Aber ist das nicht auch eine Chance?"

Veränderungen bieten immer auch eine Chance, denn wenn die Kirchen in ihrer jetzigen Form immer mehr an Bedeutung verlieren, kann das Neues anstoßen. Umbrüche, die vor allem die Form betreffen, nicht das Glaubensgut.

Bischof Bätzing fordert kein "Weiter so"

Ein Kirchenfenster reflektiert auf einem Holzboden. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Die Mitgliederzahlen in den großen Kirchen nehmen kontinuierlich ab.

Aber viele, die in den Kirchen Verantwortung tragen, wirken ratlos. Also, doch weiter so in alter Form? Wohl kaum. Der Limburger Bischof Georg Bätzing, immerhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hat schon vor mehr als zwei Jahren gesagt: "Ein einfaches 'Weiter so' als Kirche kann es nicht geben ... Wenn wir es einfach so lassen wie bisher, wird sich die Kirche in vielen Punkten in kurzer Zeit erübrigt haben." Die Kirchenaustritte belegen - Kirche erübrigt sich für immer mehr Menschen.

Kirche in jetziger Form nicht mehr relevant

Es reicht nicht mehr, nur an einigen Stellschrauben zu drehen. Nein, die großen Kirchen sind in ihrer jetzigen Form einfach nicht mehr relevant. Wer braucht eine Institution, die wie die katholische Kirche monarisch und klerikal ist? Viel zu oft mit sich selbst beschäftigt, dazu nicht selten weltfremd. Warum sollte so eine Institution Einfluss haben auf das öffentliche Leben, etwa auf Politik, Schulen, Kultur und Medien?

Nirgendwo im Evangelium steht: habt Einfluss. Es heißt lediglich, ihr seid das Salz der Erde. Doch viele Salzkörner braucht es nicht, damit ein Essen schmackhaft wird, ein paar Körnchen reichen aus. Für mich heißt das, es müssen sich nicht alle zu Christus bekennen, doch die es tun, sollten aufstehen und die Gesellschaft verändern, damit sie menschlicher wird.

Offen sein für ein neues Denken

Gott ist ein Freund des Lebens. Das glauben nicht nur Christen. Ihnen aber wurde ins Stammbuch geschrieben: "Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist - das Gute!" (Röm 12,2). Das heißt für mich, durchkreuzt als Verwandelte so manches Denken. Vergesst nie, ihr seid Suchende. Eine Gemeinschaft, die so lebt und nicht ständig behauptet, den Willen Gottes zu kennen - sie könnte für viele an Bedeutung gewinnen in einer Welt, in der Menschen viel zu oft mit Füßen getreten werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 29.08.2020 | 09:15 Uhr

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