Die Diakonie tritt für ein soziales Europa ein. © Diakonie Foto: Kathrin Harms

Diakonie steht für den "Dienst am Menschen"

Stand: 31.08.2021 09:59 Uhr

Als Wegbereiter der Diakonie gilt Johann Hinrich Wichern, der Begründer des Rauhen Hauses in Hamburg. Wichtiger Aspekt des Wohlfahrtsverbands der Evangelischen Kirche ist wie der Name "Diakonie" sagt, das Dienen.

von Pastor Oliver Vorwald

Schwarzes Kleid, weiße Haube, über der Schulter die Kuriertasche. So posiert Schwester Martha 1950 für ein Foto vor ihrer NSU Quick. Mit dem Moped fährt sie damals täglich durch ihre Kirchengemeinde. Vormittags Krankenbesuche, nachmittags liest sie alten Damen aus dem Sonntagsboten vor. Schlägt es vier Uhr, geht es zurück. Oft hält die Diakonieschwester noch beim jungen Mann aus Ostpreußen, der dringend Arbeit sucht.

Das Dienen auf Augenhöhe macht die Diakonie aus

Schwester Martha mit dem Moped. Das alte Foto steht für das, was Diakonie in der Evangelischen Kirche ausmacht - früher wie heute. Diakonie kommt aus dem Griechischen, bedeutet "Dienen". Dieses Dienen sieht aber anders aus als in einem Palast. Es soll auf Augenhöhe geschehen, ohne Über und Unter. Dieser "Dienst am Menschen" bildet schon in der Jerusalemer Urgemeinde einen Schwerpunkt (Apg 6). Sieben Armenpfleger kümmern sich 30 nach Christus um Kranke, Witwen, geflohene Sklaven. Im Mittelalter setzen Mönche und Nonnen diese Tradition fort.

Johann Hinrich Wichern ist Wegbereiter moderner Diakonie

In der Evangelischen Kirche ist es vor allem Johann Wichern, der Diakonie als Kernaufgabe begreift. 1833 gründet der Theologe in Hamburg das Raue Haus, kümmert sich um Straßenkinder. Johann Wichern ist es auch, der Mitte des 19. Jahrhunderts den "Centralausschuß für Innere Mission" ins Leben ruft. Dessen Mitglieder sollen die diakonischen Initiativen in Deutschland koordinieren. An die Seite der Inneren Mission tritt nach dem Zweiten Weltkrieg das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland. 1975 werden Hilfswerk und Innere Mission zum Diakonischen Werk vereinigt. Nach dem Mauerfall kommen die sozialen Einrichtungen der DDR-Kirchen hinzu.  

Im Fokus stehen Kinder, Krankenhäuser und Pflegeheime

Für die Diakonie in Niedersachsen arbeiten rund 89.000 Beschäftigte, fast ebenso viele Ehrenamtliche (Aktueller Jahresbericht). Sie geben der Hoffnung eine Heimat. Das geschieht in über 3.000 Einrichtungen und Diensten, darunter Krankenhäuser, Kindertagesstätten, diakonische Projekte in Kirchengemeinden, Jugendhilfe-Einrichtungen, Altenheime und ambulante Pflegestationen. Hier sind überall Menschen aktiv, die sich voller Engagement um andere kümmern, die Hilfe brauchen und unser Land mitgestalten. So wie einst Schwester Martha: herzlich, auf Augenhöge, mit Nächstenliebe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 04.09.2021 | 09:15 Uhr

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