Ein Mann sitzt in einer Kirchenbank und betet. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

Das Kirchenlexikon - Buß- und Bettag

Stand: 11.11.2020 14:08 Uhr

Bußtage gab schon immer. Nach dem II. Weltkrieg kehrt der Buß- und Bettag als kirchlicher Feiertag zurück. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wird er 1995 abgeschafft - außer in Sachsen.

von Michel Zschörnig

1532. Krieg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Osmanische Truppen marschieren durch Ungarn, Richtung Österreich. Kaiser Karl V. rüstet seine Soldaten, bittet seine Getreuen um Beistand. Auch die Kirchen. Von den Alpen bis zur Nordsee finden überall Bittgottesdienste statt. In Straßburg ruft der Rat sogar einen eigenen Feiertag aus. Den ersten evangelischen Buß- und Bettag.

Viele unterschiedliche Bußtage

Vier Kerzen auf einem Tisch © Fotolia Foto: Reicher
In machen Bundesländern sind am Buß- und Bettag Tanzveranstaltungen verboten.

Bußtage hat es schon immer gegeben. Mit der Reformation wächst jedoch die Bedeutung von Bußtagen, die sich auf bestimmte Ereignisse beziehen. Die Herrscher ordnen diese meist in Krisenzeiten an. Sie wollen so das Schicksal ihres Landes zum Guten kehren. Im Dreißigjährigen Krieg werden Buß- und Bettage sogar täglich abgehalten. Bis 1871 etablieren sich so insgesamt 47 unterschiedliche Bußtage. Zu viele, findet die Deutsche Evangelische Kirchenkonferenz und schlägt einen einheitlichen Feiertag vor: einen Tag im November, den Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag. Dieser Tag setzt sich durch. Doch im Ersten und Zweiten Weltkrieg bestimmen wieder die Regierenden, wann der Feiertag stattzufinden hat. Im Reichsgesetzblatt von 1941 heißt es dazu: "Soweit (…) das Reformationsfest und der Bußtag auf einen Wochentag fallen, werden sie für die Dauer des Krieges als staatliche Feiertage im Sinne reichs- und landesrechtlicher Vorschriften auf einen Sonntag verlegt."

Buße bedeutet nicht Strafe sondern Besinnung

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt der Buß- und Bettag als kirchlicher Feiertag zurück. 1995 wird er in fast allen Bundesländern abgeschafft, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nur in Sachsen darf man weiterhin Zuhause bleiben, geht an dem Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag in die Kirche statt zur Arbeit. Buße bedeutet übrigens so viel wie Besinnung, Rückblick, Neuorientierung. Der Buß- und Bettag ist also ein Tag der Selbstreflexion. Theologisch gesprochen geht es darum, das eigene Leben an Gottes Willen neu auszurichten.

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Auf einem kleinen Kreuz steht "unvergessen". © fotolia Foto: racamani

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.11.2020 | 07:30 Uhr

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