Stand: 14.02.2018 09:00 Uhr

Das Kirchenlexikon: Aschermittwoch

von Michel Zschörnig

"Montag erreicht der Karneval seinen Höhepunkt. Aber 'Am Aschermittwoch ist alles vorbei', heißt es. Was steckt hinter diesem Spruch?"

Karneval in Köln. Tausende Menschen in Kostümen haben sich versammelt, lachen und bewundern den Festumzug. Bunt geschmückte Wagen fahren durch die Straßen. Überall tummeln sich Närrinnen und Narren. Alles im Überfluss: Schnaps, Küsse, Süßigkeiten. Die Stimmung kocht. Plötzlich erklingt ein Lied: "Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Die Schwüre von Treue, sie brechen in zwei".

Ein Aschekreuz als Zeichen

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Ein Aschekreuz als Zeichen der beginnenden Fastenzeit.

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei", diese Liedzeilen aus dem Jahr 1953 sind inzwischen zu einer Redewendung geworden. Die Tradition dahinter ist alt. Sie reicht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Mit dem Aschermittwoch beginnen die Wochen des Verzichts - die Fasten- oder Passionszeit. In den katholischen Gottesdiensten werden die Gläubigen mit Asche bestreut oder lassen sich ein Aschekreuz auf die Stirn malen. Daher der Name Aschermittwoch.

Die Länge der Fastenzeit orientiert sich an Angaben der Bibel. Mose, Elia und Jesus fasten 40 Tage. Das nehmen sich die Christen zum Vorbild. Bis zum Osterfest verzichten sie beispielsweise auf Fleisch oder Wein. Warum? Die 40-tägige Fastenzeit ist ein Akt der Buße, sie dient der Neuorientierung. Der Verzicht auf Liebgewordenes soll dabei helfen. Sonntage sind bei dieser Zählweise übrigens ausgenommen.

Fastenaktionen fordern zum Verzicht auf

In der Evangelischen Kirche ist das Fasten von Aschermittwoch bis Ostern lange Zeit verpönt gewesen. Das liegt an den Reformatoren. Martin Luther schreibt dazu:

"Man soll nicht darum fasten, dass man damit als durch ein gutes Werk etwas verdienen wollte. … Willst du recht fasten, so bedenke, dass du recht glaubest."

Inzwischen spielt die Fastenzeit aber auch in der Evangelischen Kirche wieder eine Rolle. Die Aktion "7 Wochen Ohne" motiviert jährlich zu einem anderen Verzicht vor Ostern. Sie beginnt ebenfalls am Aschermittwoch. "Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen" heißt das Motto in diesem Jahr. In gesellschaftlichen Debatten sollen Christen nicht wegsehen und schweigen, sondern hinsehen und sich für Schwache einsetzen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.02.2018 | 09:15 Uhr