Sendedatum: 09.11.2019 09:20 Uhr

Amazonas-Synode als Türöffner für Reformen?

von Andreas Brauns

"Vor Kurzem ist im Vatikan die Amazonas-Synode zu Ende gegangen. Was passiert jetzt mit dem Schlussdokument, um das wohl gerungen wurde? Ist das nur ein weiteres Papier in der Kirche, das keine Folgen hat?"

Manche hoffen tatsächlich genau das, weil sie in einigen Stichworten, die in dem Dokument genannt werden, eine große Gefahr sehen für die katholische Kirche. Andere möchten endlich neue Wege gehen. Sie setzen darauf, dass verheiratete Männer Priester werden können und Frauen als Diakoninnen zugelassen werden.

Papst Franziskus muss auf Amazonas-Synode reagieren

Ein Mädchen aus dem Amazonas-Gebiet überreicht Papst Franziskus während Abschluss-Messe der Bischofssynode über die Amazonas-Region eine Pflanze. © picture alliance/Alessandra Tarantino/AP/dpa Foto: Alessandra Tarantino
Reformer in der katholischen Kirche hoffen auf ein positives Votum des Papstes auf die Amazonas-Synode.

Diese Gruppe hofft nach dem Ende der Synode im Vatikan jetzt auf Papst Franziskus. Er hat das Abschlussdokument bekommen. Doch es verschwindet jetzt nicht in einer Schublade, sondern der Papst wird vermutlich noch in diesem Jahr mit einem eigenen Schreiben auf die Empfehlungen der Amazonas-Synode reagieren. Er hat den Bischöfen und allen Frauen und Männern, die bei der Synode beratend mitgewirkt haben, Mut gemacht, ohne Tabus und Scheuklappen zu diskutieren über die Probleme Amazoniens. Und darum wäre es jetzt mehr als nur eine Enttäuschung, wenn er in seinem dann bindenden Schreiben das Votum der Synode nicht berücksichtigen würde.

Und dieses Votum umfasst eben mehr als die Herausforderung, sich als Kirche stärker ökologisch und sozial im Amazonasgebiet zu engagieren, um so den Lebensraum vieler Menschen zu bewahren. Die Kirche, das sind in diesen Ländern aber vor allem Gemeinden, die von Frauen geleitet werden, die aus den Gemeinden selbst stammen. Gottesdienste mit einem Priester gibt es manchmal über viele Monate nicht. Obwohl die Heilige Messe als zentrale Feier der Gemeinde gilt.

Erster Schritt zum Diakanat von Frauen?

Damit in diesen Gemeinden das Wort Gottes verkündet und das Brot gebrochen werden kann, möchten viele Bischöfe Amazoniens neue Wege gehen: So könnten in Gemeinden anerkannte Männer, etwa auch Familienväter, zu Priestern geweiht werden. Und Frauen, die Gemeinden leiten, sollten von der Kirche auch als Leiterinnen anerkannt werden. Das könnte ein erster Schritt sein auf dem Weg zum Diakonat der Frau.

Gut 180 Bischöfe haben miteinander gerungen und abgestimmt über das Schlussdokument der Amazonas-Synode. Das Papier wird so oder so nicht folgenlos bleiben, weil es eine Tür in der Kirche geöffnet hat.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 09.11.2019 | 09:20 Uhr

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