Ein angezündetes Grablicht auf einem Grab. © Colourbox Foto: Patrick Daxenbichler

Ablass für Verstorbene

Stand: 18.11.2021 12:30 Uhr

Der Vatikan entschied aufgrund der Corona-Lage, dass Gläubige dieses Jahr nicht den Friedhof und die Kirche besuchen müssen, um einen Ablass für verstorbene Angehörige zu erwerben.

von Andreas Brauns

"Vor kurzem habe ich gelesen, dass Katholiken den ganzen November über einen Ablass erwerben können. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Gibt es im 21. Jahrhundert wirklich noch einen Ablass?"

Ja, den gibt es tatsächlich nach wie vor. Nur ist der Ablass schon seit Jahrhunderten nicht mehr gegen Geld zu erwerben. Die Seele springt also nicht mehr in den Himmel, wenn das Geld im Kasten klingt… Dieser Ablasshandel ist längst Geschichte.

Ablass als Erlass von Sünden

Doch nach wie vor ist der Ablass ein Bestandteil der römisch-katholischen Lehre. Durch einen Ablass werden Sündenstrafen erlassen. Bei der Beichte werden zwar Sünden vergeben, doch das beseitigt nicht die zeitlichen Strafen, die die Sünden nach sich ziehen, so die Kirche. Sie hat früher Menschen zeitweise exkommuniziert, um sie so für ihr Tun zu bestrafen. Weil die Beichte die Folgen einer Sünde also nicht beseitigt, wurden und werden Sünderinnen und Sünder zu guten Werken aufgefordert und zu Gebeten oder Wallfahrten. Wer dem nicht ausreichend nachkommt, stirbt, wenn Sie so wollen, mit einem noch mehr oder weniger gefüllten Konto mit Sündenstrafen. Das wiederrum bedeutet: Nach dem Tod ist noch eine Läuterung notwendig, bevor Gott geschaut werden kann.

Neue Regelung wegen Corona

Und hier greift der Ablass, den Katholiken im November für ihre verstorbenen Angehörigen erwerben können. In der Regel muss jemand, der am Leben der Kirche teilnimmt und selbst seine Sünden bekennt, dafür zwischen dem 1. und dem 8. den Friedhof besuchen und am Allerseelentag, dem 2. November, eine Kirche.

Doch angesichts der anhaltenden Corona-Infektionsgefahr hat der Vatikan per Dekret den sogenannten Allerseelen-Ablass ausgeweitet – wie im vergangenen Jahr auf den gesamten Monat November. Außerdem wird auch jenen Katholiken die Möglichkeit eingeräumt, einen Ablass zu erwerben, die das Haus, in dem sie leben, nicht verlassen können. Sei es aus Alters- oder Gesundheitsgründen oder weil es Ausgangsbeschränkungen gibt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 20.11.2021 | 09:15 Uhr

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