Unscharfe Silhouette einer Frau. © photocase.de Foto: IRENE AKSOY

Cave-Syndrom - Menschen bleiben aus Angst in der "Höhle"

Sendedatum: 05.08.2021 19:05 Uhr

Zurzeit sind soziale Kontakte trotz Corona-Pandemie möglich. Dennoch bleiben manche Menschen lieber zu Hause, meiden Treffen mit Freunden, Partys oder Reisen. Das Phänomen wird als "Cave Syndrom" bezeichnet.

von Susanne Kühn

Die Verabredung kam nicht zustande. "Tut mir leid, aber das schaffe ich noch nicht", so die Antwort meiner Freundin. Gerade hatte ich ihr vorgeschlagen, gemeinsam an der Förde zu sitzen. Im Strandkorb. Im Sommer. Freier Himmel, freier Blick aufs Wasser, einfach unter Menschen sein, essen, trinken, reden. "Das habe ich alles so vermisst in Corona-Zeiten. Aber jetzt überfordert mich das", sagt sie.

Beim Cave-Syndrom ziehen sich Menschen zurück

Schade, denke ich. Ist sie nicht ein bisschen überängstlich? Längst wird unser Verhalten in der Pandemie beobachtet, untersucht und benannt. So findet man neuerdings den Begriff "Cave-Syndrom", das Höhlen-Syndrom. Wir ziehen uns zurück in unsere "Höhle" und trauen uns kaum noch heraus. Hat uns das Virus wieder zum Höhlenmenschen gemacht? Seit eineinhalb Jahren bestimmen schwankende Inzidenzen das Maß an Vorsicht und damit unseren Alltag. Rückzug in die eigenen vier Wände und der Verzicht auf persönlichen Kontakt - daran mussten wir uns alle erst gewöhnen.

Corona erfordert viel Toleranz unter Menschen

Nun, nach den Lockerungen reagieren wir unterschiedlich: Der eine schaltet sofort um und kann gar nicht schnell genug hinaus und wieder unter Menschen sein. Der andere riskiert einen zaghaften Blick nach draußen und bleibt dann doch lieber noch im Schutz der heimischen Höhle. Es gibt eben nicht nur die offiziellen Corona-Öffnungen, sondern auch ein ganz persönliches Empfinden dafür, wann ich mich wieder so richtig in die Öffentlichkeit traue und den ersten Fuß vor die Tür setzen möchte. Toleranz ist gefordert. Denn, wäre es nicht schön, wenn wir die zaghaften und ängstlicheren unter uns so akzeptieren, wie sie sind? Wenn wir ihre Langsamkeit nicht beurteilen und einfach auf sie warten?

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Eine junge Frau vergräbt hockend ihr Gesicht in der Armbeuge. © photocase Foto: andlostluggage

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 05.08.2021 | 19:05 Uhr

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