Sendedatum: 03.07.2018 19:05 Uhr

Catholic Worker: Voller Hingabe für Obdachlose

von Henning Ernst
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In New York ist die Zahl der Obdachlosen wieder so hoch, wie zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise.

"Wer die Welt verändern will, muss sich selbst verändern." Mit diesem Satz bin ich kürzlich aus New York zurückgekehrt. Für eine Woche habe ich dort mit meinem 17-jährigen Sohn in einer christlichen Hausgemeinschaft gelebt. Mitten in Manhattan versorgen deren Mitglieder Obdachlose mit dem Nötigsten. Wir haben mit gespendeten Lebensmitteln Essen zubereitet und serviert, für Menschen, für die sonst niemand etwas zubereitet und serviert.

Duschen ist Luxus

Einmal am Tag bequem sitzen und satt werden und jemanden finden zum Reden. Mal Wäsche waschen können oder etwas aus der Kleiderkammer aussuchen dürfen. Es kommen Menschen in die Third Street, Manhattan, für die das Duschen ein Luxus ist. Und das in einer Stadt, in der eine kleine Wohnung auf der anderen Straßenseite 5.200 Dollar im Monat kostet.

Christliche Gemeinschaft voller Hingabe

Manche hinterlegen hier bei den Catholic Workern einen Ring der Mutter oder ein wenig Bargeld, das auf der Straße nicht sicher wäre. Man kann sich auch seine Post dorthin schicken lassen. Die Catholic Worker sind ein bunter Haufen pragmatischer Christen, die die biblische Botschaft von der Nächstenliebe ernst nehmen im Sinne Jesu: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Diese Bewegung begann während der großen Rezession in den 30er-Jahren, als erstmals Frauen obdachlos auf der Straße landeten.

Gebete und die alten Hoffnungs-Texte bei der täglichen Messe sind notwendig für diese Arbeit. Sie trösten und geben Kraft, um nicht den Verstand zu verlieren in dieser verrückten Stadt. Ich habe mal gelernt: Die Existenz Gottes zu beweisen, ist nicht möglich, es gibt nur Zeugen. Bei diesen Zeugen habe ich etwas wiederentdeckt von Gott - ich würde es Hingabe nennen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 03.07.2018 | 19:05 Uhr